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Art. 14 GSchG - Art. 14 LEaux

 Norer Roland​ | Tschopp Simone ​

 

 

​Betriebe mit Nutztierhaltung

1         Auf jedem Betrieb mit Nutztierhaltung ist eine ausgeglichene Düngerbilanz anzustreben.

2         Hofdünger muss umweltverträglich und entsprechend dem Stand der Technik landwirtschaftlich oder gartenbaulich verwertet werden.

3         Im Betrieb müssen dafür Lagereinrichtungen mit einer Kapazität von mindestens drei Monaten vorhanden sein. Die kantonale Behörde kann jedoch für Betriebe im Berggebiet oder in ungünstigen klimatischen oder besonderen pflanzenbaulichen Verhältnissen eine grössere Lagerkapazität anordnen. Für Ställe, die nur für kurze Zeit mit Tieren belegt sind, kann sie eine kleinere Lagerkapazität bewilligen.

4         Auf 1 ha Nutzfläche darf der Dünger von höchstens drei Düngergrossvieheinheiten ausgebracht werden. Wird ein Teil des im Betrieb anfallenden Hofdüngers ausserhalb des ortsüblichen Bewirtschaftungsbereichs verwertet, so dürfen nur so viele Nutztiere gehalten werden, dass mindestens die Hälfte des im Betrieb anfallenden Hofdüngers auf der eigenen oder gepachteten Nutzfläche verwertet werden kann.

5         Betriebe, die Dünger abgeben, müssen jede Abgabe im Informationssystem nach Artikel 165f des Landwirtschaftsgesetzes vom 29. April 1998 erfassen.

6         Die kantonale Behörde setzt die pro ha zulässigen Düngergrossvieheinheiten herab, soweit Bodenbelastbarkeit, Höhenlage und topographische Verhältnisse dies erfordern.

7         Der Bundesrat kann Ausnahmen von den Anforderungen an die Nutzfläche vorsehen für:

a.       die Geflügel‑ und die Pferdehaltung sowie für bereits bestehende kleinere und mittlere Betriebe mit anderer Nutztierhaltung;

b.       die Betriebe, die Aufgaben im öffentlichen Interesse erfüllen (Abfallverwertung, Forschung usw.).

8         Eine Düngergrossvieheinheit entspricht dem durchschnittlichen jährlichen Anfall von Gülle und Mist einer 600 kg schweren Kuh.

Exploitations pratiquant la garde d'animaux de rente

1         Toute exploitation pratiquant la garde d'animaux de rente s'efforce d'équilibrer le bilan des engrais.

2         Les engrais de ferme doivent être utilisés dans l'agriculture, l'horticulture et le jardinage selon l'état de la technique et d'une manière compatible avec l'environnement.

3         L'exploitation doit disposer d'installations permettant d'entreposer ces engrais pendant trois mois au moins. L'autorité cantonale peut prescrire une capacité d'entreposage supérieure pour les exploitations situées en région de montagne ou soumises à des conditions climatiques défavorables ou à des conditions particulières quant à la production végétale. Elle peut autoriser une capacité inférieure pour les étables qui ne sont occupées que passagèrement par le bétail.

4         La quantité d'engrais par hectare de surface utile ne doit pas dépasser trois unités de gros bétail-fumure. Si une partie de l'engrais de ferme provenant de l'exploitation est épandue hors du rayon d'exploitation normal pour la localité, le nombre d'animaux de rente doit permettre l'épandage, sur la surface utile, en propre ou en fermage, de la moitié au moins de la quantité d'engrais de ferme provenant de l'exploitation.

5         Les exploitations qui cèdent des engrais de ferme doivent enregistrer toutes les livraisons dans le système d'information visé à l'art. 165f de la loi 29 avril 1998 sur l'agriculture.

6         L'autorité cantonale réduit le nombre d'unités de gros bétail-fumure par hectare en fonction de la charge du sol en polluants, de l'altitude et des conditions topographiques.

7         Le Conseil fédéral peut autoriser des exceptions aux exigences concernant la surface utile pour:

a.       l'aviculture et la garde de chevaux, ainsi que pour d'autres exploitations existantes, petites ou moyennes, qui pratiquent la garde d'animaux de rente;

b.       les entreprises qui assument des tâches d'intérêt public (recyclage des déchets, recherche, etc.).

8         Une unité de gros bétail-fumure correspond à la production annuelle moyenne d'engrais de ferme d'une vache de 600 kg.

Aziende con allevamento di bestiame da reddito

1         Ogni azienda con allevamento di bestiame da reddito deve sforzarsi di perseguire un bilancio equilibrato di concime.

2         Il concime di fattoria deve essere sfruttato a fini agricoli o orticoli in modo rispettoso dell'ambiente e secondo lo stato della tecnica.

3         L'azienda deve disporre di impianti che permettano il deposito per almeno tre mesi. L'autorità cantonale può prescrivere una capacità di deposito superiore per le aziende site in regione di montagna o esposte a condizioni climatiche sfavorevoli o a condizioni particolari per quanto concerne la copertura vegetale. Può autorizzare una capacità di deposito inferiore per le stalle dove il bestiame è presente solo temporaneamente.

4         La quantità di concime sparso per ettaro non deve superare quella di tre unità di bestiame grosso-letame. Se una parte del concime proveniente dall'esercizio dell'azienda viene valorizzata fuori del raggio d'esercizio d'uso locale, l'effettivo massimo degli animali da reddito che possono essere tenuti è fissato in modo tale che sulla superficie utile, propria o affittata, possa essere valorizzata almeno la metà del concime proveniente dall'esercizio dell'azienda.

5         Le aziende che cedono concime devono registrare ogni fornitura nel sistema d'informazione di cui all'articolo 165f della legge del 29 aprile 1998 sull'agricoltura.

6         L'autorità cantonale riduce il numero di unità di bestiame grosso-letame ammesso per ettaro, qualora la capacità del suolo di sopportare aggravi inquinanti, l'altitudine o la situazione topografica lo richiedano.

7         Il Consiglio federale può prevedere eccezioni alle esigenze relative alla superficie utile per:

a.       l'avicultura e l'allevamento equino nonché per piccole e medie aziende già esistenti che allevano altri animali da reddito;

b.       le aziende che adempiono compiti d'interesse pubblico (riciclaggio dei rifiuti, ricerca ecc.).

8         Un'unità di bestiame grosso-letame corrisponde alla quantità media annua di colaticcio e di letame prodotta da una vacca di 600 chilogrammi.


 


Inhaltsübersicht

 

Entstehungsgeschichte1
 II.   ​​Allgemeine Bemerkungen2
​III.Kommentierung9
A.​Ausgeglichene Düngerbilanz (Abs. 1)9
B.​Verwertung des Hofdüngers (Abs. 2)15
  1.Hofdünger18
2.​Umweltverträgliche und dem Stand der Technik entsprechende Verwertung22
C.​Kapazität der Lagereinrichtungen (Abs. 3)37
​1.Lagerdauer38
2.Lagervolumen42
3.Lagerort45
​D.​Anbindung an die Nutzfläche (Abs. 4 und 6–8)47
1.​Düngbare Nutzfläche48
2.​Düngergrossvieheinheiten51
3.​Ortsüblicher Bewirtschaftungsbereich (Abs. 4)55
4.Herabsetzung durch Kantone (Abs. 6)57
5.​Ausnahmen bei Nutzfläche (Abs. 7)60
​E.​Erfassung der Düngerabgabe (Abs. 5)
​1.​​Informationssystem63
​2.​Abnahmeverträge66



 

I.              Entstehungsgeschichte


 


 

1. Bereits mit dem ersten Gewässerschutzgesetz von 1955 wurden die Grundlagen des qualitativen Gewässerschutzes gesetzlich verankert, während mit der Revision von 1971 namentlich Konkretisierungen und Anpassungen an neue technische Entwicklungen erfolgten. Dank des gesetzlichen Schutzes der Gewässerqualität konnte relativ rasch eine Trendwende bezüglich der in den Nachkriegsjahren rasant fortschreitenden Gewässerverschmutzung eingeleitet werden. Im Zentrum der durch die Volksinitiative «zur Rettung unserer Gewässer» angeschobenen Totalrevision von 1991, deren Ergebnis der heute noch geltende Erlass ist, stand in der Folge der quantitative Gewässerschutz (AB 1989 N 932 f.). Soweit es den Gewässerschutz in der Landwirtschaft betrifft, wurden die bestehenden Bestimmungen zusätzlich um Vorschriften über die Verwertung der landwirtschaftlichen Hofdünger sowie die Bodenbewirtschaftung ergänzt (Botschaft GSchG 1987, 1064). Diese Ergänzung ist als Antwort auf die damals noch virulentere Düngerproblematik anzusehen (AB 1989 N 933).


 


 

II.           Allgemeine Bemerkungen


 


 

2. Die Art. 14–16 GSchG über die Verwendung des Hofdüngers bilden zusammen mit Art. 27 GSchG über die Bodenbewirtschaftung den Kern der landwirschaftlich relevanten Bestimmungen im Gewässerschutzgesetz. Ferner von Bedeutung sind Art. 51 GSchG (kantonale Beratungsstellen), Art. 62a GSchG (Finanzielle Unterstützung des Bundes für Massnahmen der Landwirtschaft) und Art. 77 GSchG (Übergangsbestimmungen für Lagereinrichtungen). Auf Verordnungsstufe sind insbesondere die Art. 22–28 GSchV relevant.

3. Als Teil des Umweltrechts im weiteren Sinne (Rausch/Marti/Griffel, Umweltrecht, 1) stehen die landwirtschaftlichen Gewässerschutzbestimmungen in einem systematischen Zusammenhang mit dem Umweltschutzgesetz (insb. Art. 33 f. USG über Bodenbelastungen) und seinen Ausführungsverordnungen (insb. VBBo und LRV) sowie der Chemikaliengesetzgebung, welche beim Umgang mit Hofdünger ebenfalls zu beachten ist (insb. Art. 71 ChemV und Anh. 2.6 ChemRRV). Diese Regelungsgebiete haben gleichermassen zum Ziel, die Grundlagen der landwirtschaftlichen Produktion und der menschlichen Existenz zu erhalten und greifen ineinander über (Brunner, Bodenschutz, 524).

4. Über die Relevanz der Einhaltung der gewässerschutzrechtlichen Bestimmungen für die agrarischen Direktzahlungen ergeben sich schliesslich Konnexe zur Landwirtschaftsgesetzgebung und insb. zur Beitragsordnung, wobei es die teilweise unterschiedliche Stossrichtung der beiden Regelungsgebiete zu berücksichtigen gilt. Während es bei den Direktzahlungen darum geht, mittels finanzieller Anreize eine Intensivierung der Landwirtschaft auf freiwilliger Basis zu Gunsten einer flächendeckenden und nachhaltigen Bewirtschaftung zu verhindern, zielt das Gewässerschutzrecht auf die für den Erhalt gesunder Gewässer absolut notwendigen Beschränkungen ab (BGer 2C_450/2009 vom 10. Februar 2011, E. 3.2.3.2).

5. In gewässerschutzrechtlicher Hinsicht interessieren an landwirtschaftlichen Emissionen insb. Phosphor‑ und Stickstoffverbindungen, da sie die Gewässerqualität negativ beeinflussen, wenn sie in zu hohen Konzentrationen ins Wasser gelangen. Eine Gewässergefährdung kann aber z.B. auch von Mikroorganismen wie Fäkalbakterien ausgehen. Phosphorverbindungen sind grundsätzlich schlecht wasserlöslich und v.a. in Binnengewässern und Meeren problematisch, da sie dort als unnatürliche Wachstumstreiber das ökologische Gleichgewicht gefährden. Stickstoffverbindungen, vorab das flüchtige Ammoniak und das wasserlösliche Ammonium/Nitrat, beeinträchtigen ausserdem direkt die Trinkwasserqualität und stellen so letztendlich ein Gesundheitsrisiko für Mensch und Tiere dar, ebenso wie die Fäkalbakterien. Als anthropogene Treiber in den Phosphor‑ bzw. Stickstoffkreisläufen sind nebst der Landwirtschaft insb. Verbrennungsprozesse (Verkehr, Feuerungen) sowie Haus‑ und Industrieabwässer bekannt (BAFU, Stickstoffflüsse, 8). Ein ausgewogener Gewässerschutz setzt deshalb – zumindest nach Massgabe des technisch Möglichen bzw. finanziell Tragbaren – in diesen Bereichen gleichermassen an.

6. Praktisch zeitgleich mit den Bestrebungen zur Verbesserung des Gewässerschutzes wurde der Umweltschutz mit dem sechsten Landwirtschaftsbericht auch zu einem agrarpolitischen Oberziel (Bericht BR Landwirtschaft 1992, 263). Durch die wirtschaftlichen Anreize der Agrarpolitik haben sich die ökologischen Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft bis heute stark verbessert. So ist auch die im vorliegenden Zusammenhang besonders interessierende Stickstoff‑ und Phosphorbelastung durch die Landwirtschaft zurückgegangen (Bericht Umweltrisiken 2003, 4803). Insb. weil der Einsatz von Mineraldünger seit 1994 deutlich abgenommen hat, konnte das agrarökologische Etappenziel bezüglich Phosphor erreicht werden (Bericht Umweltrisiken 2003, 4805). Für eine ausgeglichene Düngerbilanz nach wie vor zu berücksichtigen sind jedoch aus früherer Überdüngung in Ackerbaugebieten und/oder Mastregionen im Boden teilweise noch vorhandene Phosphor-Vorräte. Bezüglich Stickstoff jedoch wurde das agrarökologische Etappenziel für 1998 verfehlt. Problematisch waren hier v.a. Mastbetriebe, welche noch über keine ausreichende eigene düngbare Nutzfläche i.S.v. Art. 14 Abs. 4 GSchG verfügten und so Hofdüngerüberschüsse produzierten (Bericht Umweltrisiken 2003, 4805 f.).

7. Nach den Fortschritten in den 1990er-Jahren haben sich diese in den Nullerjahren verringert, und die Situation bleibt lokal bzw. in Bezug auf gewisse Gewässer nach wie vor verbesserungsbedürftig (Botschaft Agrarpolitik 2014–2017, 2103). Insgesamt jedoch haben die Anstrengungen der vergangenen Jahrzehnte in weiten Teilen der Schweiz zu einem zuversichtlich stimmenden Bild geführt (BAFU, Umwelt 2013, 44; BFS, MONET Nitratgehalt; BFS, MONET, Phosphorgehalt).

8. Damit die für den Gewässerschutz zentralen umweltrechtlichen Vorgaben bezüglich Stickstoff‑ und Phosphorbelastung flächendeckend eingehalten werden, bedarf es eines konsequenten Vollzugs der bestehenden bundesrechtlichen Vorschriften v.a. in den stark belasteten, nutztierreichen Gebieten und die Ausschöpfung der Möglichkeiten, welche der per 1. Januar 1999 geschaffene Art. 62a GSchG für solche Gebiete geschaffen hat (Bericht Umweltrisiken 2003, 4806).


 


 

III.        Kommentierung


 


A.           Ausgeglichene Düngerbilanz (Abs. 1)


 

9. Die Vorgabe einer ausgeglichenen Düngerbilanz gilt für jeden Betrieb mit Nutztierhaltung. Unter einem solchen Betrieb sind landwirtschaftliche Betriebe und Betriebsgemeinschaften mit Nutztierhaltung sowie übrige Betriebe mit gewerblicher Nutztierhaltung (ausgenommen Betriebe mit Zoo‑ und Zirkustieren sowie mit einzelnen Zug‑, Reit‑ oder Liebhabertieren) zu verstehen (Art. 22 GSchV). Insofern ist die Definition weiter gefasst als der ausschliesslich landwirtschaftliche Unternehmen bezeichnende Betriebsbegriff des Art. 6 Abs. 1 Bst. a LBV i.S.d. LwG.

10. Unter einer ausgeglichenen Düngerbilanz versteht man in erster Linie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der Nährstoffzufuhr (insb. Stickstoff und Phosphor) über Hof‑ und Handelsdünger und dem Nährstoffbedarf der Kulturen. Da der eigene Hofdünger grundsätzlich selber zu verwenden ist, bedingt dies einen dem Standort und der Bewirtschaftung angepassten Nutztierbestand (Botschaft Agrarpolitik 2002, 209; BGer 2C_450/2009 vom 10. Februar 2011, E. 3.2.4.3). Ausserdem kann eine ausgeglichene Nährstoffbilanz nur erreicht werden, wenn der Dünger pflanzen‑ und standortgerecht eingesetzt und ohne Nährstoffverlust ausgebracht wird (Brunner, Bodenschutz, 541; BGer 2C_450/2009 vom 10. Februar 2011, E. 3.2.4.3). Der Forderung nach einer ausgeglichenen Düngerbilanz ist schliesslich inhärent, dass erst wenn der eigene Hofdünger nicht geeignet oder ausreichend ist, zusätzlich Recycling‑ und Mineraldünger beschafft werden soll (Anh. 2.6 Ziff. 3.1 Abs. 2 ChemRRV; vor 1. August 2005 Anh. 4.5 Ziff. 31 StoV).

11. Die in neuerer Zeit propagierte Verwendung von Hofdünger zur Produktion von erneuerbarer Energie bedingt als Zwischenschritt die Herstellung von Biogas durch Vergärung des Hofdüngers. Das Gas entsteht dabei im Wesentlichen aus der Umwandlung von Kohlenhydraten, Eiweissen und Fetten mittels Mikroorganismen in Methan (CH4) und Kohlenstoffdioxid (CO2). Daraus erhellt, dass in den Gesamtstickstoff‑ und ‑phosphorgehalt des Reststoffes, welcher nach wie vor als Dünger verwendet werden kann, grundsätzlich nicht eingegriffen wird und dass sich die Düngerbilanz somit prinzipiell nicht verändert. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass es sich beim Reststoff technisch gesprochen um einen Recyclingdünger mit höherem pH-Wert und einer grösseren Ammoniumkonzentration handelt. Dies spielt insb. für die umweltverträgliche Verwertung des Restprodukts eine Rolle, da verglichen mit dem Ausgangsprodukt ein grösseres Potential für Ammoniakemissionen in die Atmosphäre besteht.

12. Die ausgeglichene Düngerbilanz hat neben der gewässerschutzrechtlichen Relevanz auch Wirkungen auf die Direktzahlungsberechtigung nach Art. 13 DZV (Ökologischer Leistungsnachweis) und ist bspw. auch in die umfassende Interessenabwägung nach Art. 24 Bst. b RPG für in der Landwirtschaftszone nicht zonenkonforme Betriebe der bodenunabhängigen Produktion mit einzubeziehen (PVG 1995 90 ff. [Schweinemast], 93, E. 4b/aa). Weiter bildet sie ein beschränkendes Element bei der Berechnung der Standardarbeitskraft (BGer 2C.450/2009 vom 10. Februar 2011, E. 3.2.1.1) und hat so wiederum Einfluss auf eine Vielzahl rechtlicher Sachverhalte im Landwirtschaftsbereich. 

13. Das BGer geht im Landwirtschafts‑ und Gewässerschutzrecht von einem einheitlichen Begriff der ausgeglichenen Düngerbilanz aus. Entsprechend erachtet es zur Berechnung der ausgeglichenen Düngerbilanz i.S.v. Art. 14 Abs. 1 GSchG die Methode «Suisse-Bilanz» gemäss Anh. 1 Ziff. 2.1 DZV als gleichermassen geeignet (BGer 2C_450/2009 vom 10. Februar 2011, E. 3.2.4.3). Bei den einzusetzenden Werten sind jedoch die im jeweiligen Rechtsgebiet geltenden Besonderheiten zu beachten.

14. Soweit ersichtlich hat sich bisher weder die Lehre noch die Rechtsprechung näher mit dem Verhältnis von Abs. 1 zu den Abs. 4 sowie 6 und 7 befasst. Es stellt sich hier die primär durch Auslegung zu beantwortende Frage, wie zu entscheiden ist, wenn im Einzelfall die Vorgaben der Abs. 4, 6 oder 7 eingehalten werden, trotzdem aber aus fachlicher Sicht keine ausgeglichene Düngerbilanz vorliegt bzw. vice versa


 

B.            Verwertung des Hofdüngers (Abs. 2)


 

15. Eine ausdrückliche Regelung des Ausbringens von Stoffen wie z.B. von Dünger ausserhalb von Gewässern wurde erst mit dem GSchG 1991 eingeführt (Botschaft GSchG 1987, 1109; Stutz, Grundwasserschutz, 678 f.). Sie fusst auf der Erkenntnis, dass Hofdünger für die Gewässer potentiell schädliche Stoffe enthält, welche zu einer Gefährdung führen können, wenn sie nicht fachgerecht gehandhabt werden.

16. In diesem Sinne statuiert Art. 14 Abs. 2 GSchG einen Verwertungszwang. Die landwirtschaftliche oder gartenbauliche Verwertung des Hofdüngers, die prioritär vor der Verwendung anderer Dünger zu erfolgen hat (Anh. 2.6 Ziff. 3.1 Abs. 2 ChemRRV), hat dabei in umweltverträglicher Weise und dem Stand der Technik entsprechend zu geschehen.

17. Nach dem Willen des Gesetzgebers besteht somit ein Verbot, Gülle von Nutztieren in eine Abwasserreinigungsanlage abzuleiten (Botschaft GSchG 1987, 1117 f.). In Vergärungsanlagen darf Hofdünger grundsätzlich nur dann eingesetzt werden, wenn die Vergärungsprodukte als Dünger verwendet werden (BAFU/BLW, Umweltschutz Landwirtschaft, 14).


 

1.             Hofdünger


 

18. Unter «Hofdünger» sind gemäss Art. 4 Bst. g GSchG Gülle, Mist und Silosäfte aus der Nutztierhaltung zu verstehen. Damit ist die gewässerschutzrechtliche Definition vom Wortlaut her enger gefasst als die Definition nach Art. 5 Abs. 2 Bst. a DüV. Die beiden formell etwas voneinander abweichenden Begriffsdefinitionen nach DüV sowie nach GSchG gelten nur für den jeweiligen Rechtsbereich, einerseits also «Dünger» (stofflicher Umgang) und andererseits «Gewässerschutz» (stoffliche Bodenbelastbarkeit) (BAFU, Düngung, 21).

19. Hofdünger werden gemeinhin von Recyclingdünger und Mineraldünger abgegrenzt. Sie fallen direkt bei den Nutztieren hauptsächlich in Ställen an, werden dort gesammelt, zwischengelagert und sodann direkt landwirtschaftlich oder gartenbaulich weiterverwendet. Werden Hofdünger vergoren oder verrottet, bleiben sie gemäss DüV solange Hofdünger im Rechtssinne als sie mindestens 80 % des Endprodukts der Co-Vergärung ausmachen (Art. 5 Abs. 2 Bst. a DüV in der seit 1. Januar 2014 gültigen Fassung; zur früheren und nach eigener Darstellung veralteten Praxis des BAFU und des BLW vgl. BAFU, Düngung, 21; zur Kritik an der Übernahme der DüV-Definition für das Gewässerschutzrecht vgl. Komm. zu Art. 4 GSchG N 35). Da mit Hofdünger nach der Konzeption des Gewässerschutzgesetzes generell der auf dem Betrieb durch herbivore Tierhaltung anfallende Dünger gemeint ist, wäre es jedoch konsequent, gewässerschutzrechtlich auch das Endprodukt der Co-Vergärung unabhängig vom Gehalt des Ausgangsstoffes sowie weitere Nebenprodukte nach Art. 5 Abs. 2 Bst. a DüV und Abschlämmwasser aus Biowäschern und Abwasser aus Chemowäschern darunter zu subsumieren, soweit sie aus dem eigenen Betrieb stammen (vgl. Komm. zu Art. 4 GSchG N 36).

20. Die Gülle, ein flüssiger Hofdünger, besteht aus Harn und Kot von Nutztieren sowie aus Wasser. Der Mist, ein fester Hofdünger, enthält je nach Art der Haltung kleinere oder grössere Mengen mit Harn, Kot und Futterresten versetzter Streue. Die Silosäfte schliesslich sind extrem nährstoffreiche und saure flüssige Hofdünger, die je nach gewähltem Verfahren und Gärgut bei der Silierung oder durch die Verunreinigung von Niederschlagswasser mit Silage entstehen (vgl. BAFU/BLW, Baulicher Umweltschutz, 23 f.). 

21. Der Nährstoffgehalt des Hofdüngers ist je nach Tierart und ‑haltung sehr unterschiedlich und kann sogar in derselben Kategorie je nach Betrieb stark differieren. Eine Übersicht verschaffen z.B. die Grundlagen für die Düngung im Acker‑ und Futterbau (GRUDAF) 2009 der Forschungsanstalten Agroscope Changins-Wädenswil und Reckenholz-Tänikon.


 

2.             Umweltverträgliche und dem Stand der Technik entsprechende Verwertung


 

22. Beim Düngen sind abgesehen von den andernorts behandelten − abstrakt Geltung beanspruchenden − mengenmässigen Düngbeschränkungen (vgl. N 47 und 55 f.) und flächenbezogenen Düngverboten (vgl. N 49) im Einzelfall von Rechts wegen auch die in Anh. 2.6 Ziff. 3.1 und Ziff. 3.2.1 ChemRRV statuierten Gebote zu beachten. So ist namentlich den im Boden vorhandenen Nährstoffen und dem Nährstoffbedarf der Pflanzen sowie dem Standort (Pflanzenbestand, Topografie und Bodenverhältnisse) Rechnung zu tragen. Bei stickstoffhaltigen Düngern ist zudem zu berücksichtigen, dass sie zu Zeiten auszubringen sind, in denen die Pflanzen den Stickstoff aufnehmen können.

23. Den Vorschriften über den Düngereinsatz liegt die Überlegung zugrunde, dass Düngerbestandteile, die versickern, abgeschwemmt werden oder sich in die Atmosphäre verflüchtigen, unter Umständen die Umwelt – und im vorliegenden Zusammenhang speziell Gewässer − verunreinigen können. Beim Hofdünger – und allenfalls in geringerem Masse bei Recyclingdüngern – tritt zum allgemeinen Risiko einer Über‑ bzw. Fehlversorgung mit Nährstoffen auch das spezielle Risiko der Freisetzung von Krankheitskeimen. 

24. Auf der anderen Seite ist Dünger – und in besonderem Masse der natürlich anfallende Hofdünger − für die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit von grossem Nutzen. Dieselben Nährstoffe, die bei einem Eintrag ins Gewässer dort Schäden anrichten können, sind für das Pflanzenwachstum wertvoll. Aus diesem Grund war nie umstritten, dass das Ausbringen von Hofdüngern erwünscht ist und dass es nicht unter das Gewässerverunreinigungsverbot fallen soll, solange die Verwertung fachgerecht erfolgt (vgl. Botschaft GSchG 1970, 450; Botschaft GSchG 1987, 1109; für einen internationalen Rechtsvergleich siehe BAFU, Gewässerschutzbestimmungen, 28 ff.).

25. Gemeinhin als kritisch angesehen werden muss das Ausbringen von Düngern, wenn der Boden schneebedeckt, gefroren, ausgetrocknet oder wassergesättigt ist, weil die Nährstoffe dann gar nicht in den Boden gelangen können. Entsprechend besteht die Gefahr einer Abschwemmung oder Verflüchtigung. Können die Nährstoffe zwar in den Boden eindringen, aber wegen der Vegetationsruhe oder starken Niederschlägen von den Pflanzen nicht direkt aufgenommen werden, besteht die Gefahr einer Auswaschung in darunterliegendes Grundwasser. In welchem Ausmass die Umwelt in einem solchen Fall gefährdet ist, hängt auch von der konkreten Bodenbeschaffenheit und der Topographie ab. 

26. Die Strafkammer des Kantonsgerichts SZ hatte einen Fall zu beurteilen, in dem der Angeklagte an zwei aufeinanderfolgenden Tagen im November 2002 nach starken Regenfällen auf 1.5 ha Wiesland, welches zum Teil eine Hangneigung von über 50 % aufwies, ca. 30'000 l Gülle ausgetragen hatte. Das eingeholte Gutachten verneinte die Wassersättigung der Böden und kam zum Schluss, dass der Angeklagte mit Ausnahme der Gefahr bei Gülleaustrag auf steilen Flächen sämtliche empfohlenen Massnahmen zur Verhinderung einer Gefährdung getroffen habe. Abweichend von der Vorinstanz, welche dem Angeschuldigten Fahrlässigkeit bei der Risikoanalyse vorgeworfen und ihn in der Folge wegen Verusachung einer abstrakten Umweltgefahr nach Art. 60 Abs. 1 Bst. e und f USG verurteilte hatte, erachtete das Kantonsgericht allein wegen der Hangneigung nicht einmal eine generell-abstrakte Gefahr als erwiesen und sprach den Angeklagten im Weiteren mangels einer hinreichenden gesetzlichen Grundlage frei (Kantonsgericht SZ, Urteil vom 1. Februar 2005 [SK 2004 29], 70 ff., in: EGV-SZ 2004, A. 4.2). 

27. Die appenzell-ausserrhodischen Behörden liessen die konkreten Verhältnisse in dem BGer 6B_579/2010 zugrunde liegenden Fall nicht gutachterlich abklären, bei dem ein Landwirt Mitte Februar an einem Südosthang in der Bergzone 2, an dessen Fusse ein Bach verläuft, Gülle ausgebracht hatte. Allerdings ergab ein bei den Akten befindliches Foto Hinweise darauf, dass die Gülle bis acht Tage nach dem inkriminierten Vorfall nicht (vollständig) in den Boden eingedrungen war. Das BGer kassierte den Freispruch deshalb und wies die Sache zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurück. Ob sich ein Schuldspruch in diesem Falle rechtfertigen liesse, kann aufgrund des bundesgerichtlichen Urteils nicht bestimmt werden. Es ist allerdings darauf hinzuweisen, dass die Problematik weniger in der Vegetationsruhe, d.h. der Nichtaufnahmefähigkeit der Pflanzen, sondern in einer allfälligen Nichtaufnahmefähigkeit des Bodens zu sehen gewesen wäre.

28. Die nach den allgemeinen Grundsätzen vorzunehmende Ermittlung, ob die Verwertung umweltverträglich und dem Stand der Technik entsprechend erfolgt ist, muss nach dem Gesagten für den Einzelfall vorgenommen werden. Unter dem Stand der Technik werden eine ausgeglichene Nährstoffbilanz, eine Düngung entsprechend den Düngungsempfehlungen sowie Massnahmen der guten fachlichen Praxis zur Verhinderung von Nährstoffverlusten insb. durch Auswaschung, Abschwemmung und Erosion verstanden (BAFU/BLW, Umweltschutz Landwirtschaft, 14).

29. In systematischer Hinsicht stellt Art. 14 Abs. 2 GSchG eine Ergänzung zu Art. 6 und Art. 3 GSchG dar. Eine nicht den Anforderungen von Art. 14 Abs. 2 GSchG entsprechende Verwendung von Hofdünger kann den Verbotstatbestand von Art. 6 GSchG erfüllen und ist mit Strafe bedroht, wenn dadurch eine konkrete Gefahr der Verunreinigung des Wassers besteht (Art. 70 Abs. 1 Bst. a GSchG). 

30. In den letzten Jahren musste sich das BGer zwei Mal mit der Frage befassen, ob gewissermassen eine allgemeinverbindliche gewässerschutzrechtliche Pflicht besteht, tierische Exkremente ‑ und damit Hofdünger ‑ zu sammeln und fachgerecht zu verwerten, damit er keinesfalls unkontrolliert versickern kann (BGer 1C_390/2008 vom 15 Juni 2009 sowie 1C_62/2014 vom 15. Juni 2015). Es hat die Frage verneint und bestätigt, dass nicht nur das fachgerechte Ausbringen von Hofdünger nicht unter das Versickerungsverbot von Art. 6 GSchG fällt, sondern dass für Hofdünger allgemein kein absolutes Versickerungsverbot besteht, wie dies in der Literatur zum Teil propagiert wird (in Bezug auf den Entscheid BGer 1C_390/2008 vom 15. Juni 2009 bei Stutz, Grundwasserschutz, 673 ff.; zu BGer 1C_62/2014 Stutz, Urteilsanmerkungen 2015, 394 ff.). Zumindest Laufhöfe sowie nicht permanent genutzte Tierunterstände müssen deshalb nur mit einem undurchlässigen Boden versehen werden, wenn nach den Umständen des Einzelfalls andernfalls die konkrete Gefahr einer Gewässerverunreinigung bestehen würde, wofür die handelnde Behörde beweispflichtig ist. Dem diesbezüglich wegleitenden BGer 1C_390/2008 ist im Einzelnen folgendes zu entnehmen:

31. Für einen im Kanton ZH gelegenen Laufhof ausserhalb besonders gefährdeter Bereiche verlangten die kantonalen Behörden, dass er – gestützt auf eine kantonale Richtlinie – zu sanieren, d.h. sickerdicht auszugestalten sei, währenddem die einschlägigen Vollzugshilfen des Bundes nicht ohne weiteres eine Abdichtung vorsahen. Das BGer hielt denn auch vorab fest, dass die Bestimmungen zum qualitativen Gewässerschutz als umfassende Bundesregelung zu verstehen seien, womit weder in der Rechtsetzung noch im Vollzug Raum für strengeres kantonales Recht bestehe. Damit eine Sanierungspflicht auch nach Bundesrecht gegeben wäre, müsste die zuständige Behörde den Nachweis erbringen, dass selbst die im vorliegenden Fall geringfügigen Versickerungen eine Gefahr für die Reinhaltung des Grundwassers darstellen. Da der Sachverhalt in dieser Hinsicht jedoch ungenügend abgeklärt war, wies das BGer die Angelegenheit zur weiteren Instruktion an das VGer zurück.

32. Zur materiellen Frage, wie dem in Art. 3 GSchG statuierten und in Art. 14 Abs. 2 GSchG gewissermassen konkretisierten Vorsorgeprinzip (vgl. Komm. zu Art. 3 GSchG N 4 f.) beim Umgang mit Hofdüngern Rechnung zu tragen ist, äusserte sich das BGer aufgrund der Konstellation des konkreten Falles nicht direkt. Wegen der Konzeption des Gewässerschutzrechts, welche auf die Vorgabe von festen Grenzwerten verzichtet, bei deren Überschreitung eine Verunreinigung von Gewässern feststehen würde (BGer 1C_390/2008 vom 15. Juni 2009, E. 2.1), dürfte dies denn auch häufig ein schwieriges Unterfangen sein. 

33. Auszugehen ist von Art. 4 Bst. d GSchG, welcher bestimmt, dass eine verpönte Verunreinigung in einer nachteiligen physikalischen, chemischen oder biologischen Veränderung des Wassers besteht. In dieser Hinsicht konkretisiert BGer 1C_390/2008 vom 15. Juni 2009, E. 3.3, dass das Versickern untergeordneter Mengen an tierischen Exkrementen bzw. Hofdünger nicht ohne weiteres zu einer gewässerschutzrechtlich relevanten Verunreinigung führt, solange die Reinhaltung des Grundwassers – unabhängig von kurzfristigen Schwankungen – gewahrt wird. Das Versickern sei vielmehr insoweit zulässig, als die Natur grundsätzlich in der Lage ist, die fragliche Stoffmenge abzubauen. Bei der Beurteilung der Frage, ob eine solch hinreichende Abbaubarkeit der Stoffmenge gegeben ist, komme es auch auf weitere Faktoren wie etwa die Anzahl betroffener Tiere, die beanspruchte Bodenfläche, die vorgesehene Benutzungsdauer und den Grad der Durchlässigkeit des bestehenden Bodens an. Hilfreich wären dabei insb. gesicherte und möglichst generell anwendbare Aussagen darüber, wann die Reinhaltung der Gewässer im Sinne von allgemeinen Erfahrungswerten langfristig gewahrt ist bzw. welcher Eintrag im Einzelfall noch natürlich abgebaut werden kann und wann es dagegen zu einer nicht mehr tolerierbaren, länger anhaltenden Belastung kommt. Solange keine solchen Grundlagen bestehen, werden die Vollzugs- und Strafverfolgungsbehörden aufgrund der ihnen zufallenden Beweislast in Streitfällen kaum um die Einholung von Einzelfallgutachten herumkommen. 

34. Die Fähigkeit der Natur zum Auffangen der potentiell gewässerschädigenden Stoffe bzw. zur Regeneration nach einem untergeordneten Eintrag gibt nach hier vertretener Ansicht den Massstab vor, welcher allgemein zur Beurteilung der Umweltverträglichkeit der Verwertung des Hofdüngers anzulegen ist. Die Ausschöpfung der technischen Möglichkeiten wird aus gewässerschutzrechtlicher Sicht dann nämlich kaum verlangt werden können, wenn aufgrund der absehbaren Einträge gar keine anhaltende Belastung von Gewässern zu erwarten ist. Umgekehrt fragt sich mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung (BGer 1C_43/2007 vom 9. April 2008, E. 3.4 f.), ob der Nachweis des Einsatzes einer zum Stand der Technik zählenden Methode zur Exkulpation verhelfen kann, wenn es trotz aller Vorsicht und unter Einhaltung sämtlicher gesetzlicher Vorgaben doch zu einer Gewässerverschmutzung gekommen sein sollte. 

35. Gerade betreffend Umweltverträglichkeit und Stand der Technik existieren eine Vielzahl von Bestimmungen in Ausführungserlassen und Vollzugshilfen. Diese vermögen die Justiz jedoch nur dann zu binden, wenn sie nach staatsrechtlichen Gesichtspunkten Geltung beanspruchen können. In diesem Zusammenhang gilt es einerseits die föderalistischen Schranken zu berücksichtigen, da die Vorgaben des qualitativen Gewässerschutzes nach der Rechtsprechung grundsätzlich als umfassende Bundesregelung zu verstehen sind und damit weder in der Gesetzgebung noch im Vollzug Raum für ergänzende bzw. strengere kantonale Normen bleibt (BGer 1C_390/2008 vom 15. Juni 2009, E. 2.3). Andererseits ergibt sich eine weitere Einschränkung aus dem Legalitätsprinzip, da Vollzugshilfen als verwaltungsinterne Führungsinstrumente zwar zu einer sachgemässen und einheitlichen Umsetzung des Rechts beitragen, ohne dass ihnen aber Gesetzeskraft zukäme. Entsprechend vermögen sie eine gesetzliche Grundlage nicht zu ersetzen und bleiben auch einer einzelfallweisen Überprüfung durch die Gerichte zugänglich. Immerhin sind sie nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung in der Regel Ausdruck des Wissens und der Erfahrung bewährter Fachstellen und in diesem Sinne beachtlich (BGer 1C_43/2007 vom 9. April 2008, E. 3.3 m.w.H.).

36. Bei gewässerschutzrechtlichen Bewirtschaftungsvorgaben handelt es sich letztlich um polizeilich motivierte Eigentumsbeschränkungen, welche ohne weiteres zulässig sind, wenn sie der konkreten Gefahrenabwehr dienen und verhindern, dass der Eigentümer oder andere ernsthaft und unmittelbar gefährdet oder geschädigt werden (BGE 106 Ib 330 ff, E. 4). Gehen sie dagegen über das hinaus, was zur Abwendung der ernstaften und unmittelbaren Gefahr erforderlich ist, ist das Verhältnismässigkeitsprinzip verletzt und die Norm kann nicht länger als Konkretisierung des verfassungsmässig geschützten Eigentumsbegriffs verstanden werden. Vielmehr erreicht sie die Intensität eines – entschädigungspflichtigen – zulässigen Grundrechtseingriffs, mit der Konsequenz, dass sämtliche Voraussetzungen von Art. 36 BV erfüllt sein müssen.


 

C.           Kapazität der Lagereinrichtungen (Abs. 3)


 

37. Die ratio legis von Art. 14 Abs. 3 GSchG liegt darin begründet, dass sämtliche Betriebe von Anfang an verpflichtet sein sollen über genügend Lagermöglichkeiten für den anfallenden Hofdünger zu verfügen, um ihn nicht zur Unzeit ausbringen zu müssen oder ein Überlaufen der Einrichtungen zu riskieren.


 

1.             Lagerdauer


 

38. Auf Bundesebene ist ausgehend von der Annahme einer gesamtschweizerisch mindestens drei Monate dauernden Vegetationsruhe eine minimale Lagerdauer von ebendieser Länge vorgegeben. Die einschlägige Vollzugshilfe des Bundes empfiehlt als Richtwert für Neuanlagen allerdings bereits eine Lagerdauer von 5 Monaten (Talgebiet) resp. 6 Monaten (Berggebiet) für Flüssigdünger und von generell 6 Monaten für Mist (BAFU/BLW, Baulicher Umweltschutz, 20 f.).

39. Vorschriften zur Lagerdauer sollten sich generell am längsten Zeitraum der Vegetationsruhe orientieren, welcher in einer Beobachtungsperiode von 30 Jahren unter Einbezug von seltenen, nicht aber von extremen Verhältnissen am betroffenen Standort zu erwarten ist (BAFU/BLW, Baulicher Umweltschutz, 20). Weiter sollte auch der Möglichkeit von überdurchschnittlich langen Wintern, frühen Wintereinbrüchen oder sehr nassen Frühlingen ohne Ausbringmöglichkeit vor bzw. nach der Vegetationsruhe Rechnung getragen werden. 

40. Gesetzlich vorgesehen ist sodann die Möglichkeit der Kantone, abgestimmt auf die lokalen klimatischen und pflanzenbaulichen Verhältnisse eine grössere Lagerkapazität für eine entsprechend längere, potentielle Lagerdauer zu verlangen. Sie berücksichtigen dabei betriebsspezifische Verhältnisse, wie z.B. Bodeneigenschaften, Exposition des Standorts und Klima (BAFU/BLW, Baulicher Umweltschutz, 20). Gleichzeitig können sie auch eine kleinere Lagerkapazität bewilligen, wenn Ställe nicht ganzjährig belegt sind. 

41. Die Kantone haben von der ihnen zukommenden Kompetenz unterschiedlich Gebrauch gemacht. Teilweise existieren entsprechende Bestimmungen in der kantonalen Einführungsgesetzgebung (z.B. Art. 19 KGV BE und Art. 27 GewR FR) während andernorts lediglich Empfehlungen ohne Gesetzesrang geschaffen wurden (z.B. JU, vgl. RJJ 2007 131 ff.). 


 

2.             Lagervolumen


 

42. Die auf einem Betrieb anfallende Hofdüngermenge ist in erster Linie von der betroffenen Nutztierart und vom Aufstallungssystem abhängig. Im Einzelfall können aber weitere Faktoren, wie schon nur unterschiedliche Gewohnheiten des Stallpersonals, zu einer signifikanten Abweichung von der Norm führen. Nicht zu vernachlässigen sind sodann weitere Abwässer, welche in die Hofdüngeranlage einzuleiten sind (z.B. Abwässer aus Stallreinigung, Tierpflege und Melkerei, Silosäfte, Molke und ‑ je nach den Umständ-en ‑ Hausabwässer) bzw. natürlich eingeleitet werden (Niederschlagswasser, welches bei ausserordentlichen Ereignissen auch in grossen Mengen anfallen kann). 

43. Bei der Dimensionierung des Lagervolumens ist aber auch zu bedenken, dass der landwirtschaftlichen Nutzung dienende Bauten und Anlagen in der Landwirtschaftszone gemäss Art. 16 RPG nur dann zonenkonform sind, wenn sie hinsichtlich Standort und Grösse einem objektiven Bedürfnis entsprechen und folglich nicht überdimensioniert sind (BGE 122 II 160, E. 3a). 

44. Im Einzelfall sei auf einige ausgesuchte Entscheide hingewiesen. So hielt das Kantonsgericht des Kantons JU bei 66 Schweinen ein Volumen von 320 m3 ohne weiteres für bewilligungsfähig, wenn bei der behördlich angeordneten minimalen Lagerdauer von vier Monaten je nach Berechnungsart 249 m3 oder 270 m3 bzw. bei einer, aufgrund der jüngsten meteorologischen Erfahrungen vorzuziehenden Lagerdauer von fünf Monaten 417 m3 oder 438 m3 Lagervolumen erforderlich gewesen wären (Tribunal cantonal JU, arrêt du 11 septembre 2006, in: RJJ 2007 131 ff.). Das VGer des Kantons ZH erwog es seinerzeit als zulässig, das Bauprojekt an der gesetzlich möglichen Bewirtschaftungsintensität auszurichten, auch wenn diese mit 2.5 DGVE pro Hektare deutlich höher lag, als die im Urteilszeitpunkt praktizierte von 1.5 DGVE pro Hektare (VGer ZH, Urteil vom 13. April 2000 [VB.2000.00028], E. 3). Im Fall des Kantons FR wendete sich der Beschwerdeführer insb. gegen die vom Amt für Umwelt angewendete Volumenmessmethode, bei der anhand der Grundfläche des Güllenloches und unter Zuhilfenahme eines Stockes für die Tiefenmessung das vorhandene Lagervolumen ermittelt wurde. Das VGer des Kantons FR erachtete diese Messmethode im Gegensatz zum Beschwerdeführer nicht per se als willkürlich. Ausserdem hielt es fest, dass es selbst bei genauerer Messung im zu beurteilenden Fall absolut ausgeschlossen sei, dass das vorhandene Lagervolumen ausreiche, weshalb es die Beschwerde abwies (VGer FR, Urteil vom 14. März 2012 [602 2011-55], E. 4c).


 

3.             Lagerort


 

45. Der Lagerraum für mindestens drei Monate muss auf dem Betrieb selber vorhanden sein. Das über diese minimalen drei Monate Lagerdauer hinaus erforderliche Lagervolumen hingegen muss nicht zwingend auf dem Betrieb selber vorhanden sein, es kann unter gewissen Voraussetzungen auch zugemietet werden (BAFU/BLW, Baulicher Umweltschutz, 20).

46. Voraussetzung, damit der Nachweis der genügenden Lagerkapazität praxisgemäss auch über die Zumietung von Lagervolumen erfolgen kann, ist u.a., dass die Miete vertraglich geregelt ist und der Hofdünger auch tatsächlich dort gelagert und wieder zurückgeführt wird, die gemieteten Objekte inkl. Entwässerung des Umschlagplatzes den Vorschriften entsprechen, der Vermieter das entsprechende Lagervolumen nachweislich nicht selber benötigt und die Einlagerung und Entnahme in einem wirtschaftlichen und ökologisch vertretbaren Verhältnis stehen, was nach Meinung des BAFU bei einer Fahrdistanz bis 6 km noch gewährleistet ist. Wird das Lager vom Vermieter und einem oder mehreren Mietern gemeinsam genutzt, hat die Nutzergemeinschaft auf Verlangen nachzuweisen, dass die erforderliche Lagerkapazität für jeden Betrieb jederzeit gewährleistet ist (BAFU/BLW, Baulicher Umweltschutz, 22).


 

D.           Anbindung an die Nutzfläche (Abs. 4 und 6–8)


47. Art. 14 Abs. 4 GSchG enthält mit der Begrenzung der Düngerausbringungsmenge von höchstens 3 Düngergrossvieheinheiten (DGVE) auf 1 ha Nutzfläche eine Einschränkung der zulässigen Bodennutzung. Über die Beschränkung der erlaubten DGVE pro Hektare wird indirekt eine Rückbindung der Tierhaltung an den Boden bewirkt (vgl. auch Botschaft RPG 1996, 525).


 

1.             Düngbare Nutzfläche


48. Das Gewässerschutzrecht enthält keine eigene Definition der Nutzfläche i.S.v. Art. 14 Abs. 4 GSchG. Da über die Flächenbindung der DGVE aber eine Regulierung des pro Hektar anfallenden Düngers bezweckt wird, wird damit wohl die düngbare Fläche gemeint sein. Diese ist nicht identisch mit der landwirtschaftlichen Nutzfläche (LN) in der Definition von Art. 14 LBV. Differenzen ergeben sich namentlich bei der Sömmerungsfläche, welche gemäss Art. 14 Abs. 1 LBV nicht zur landwirtschaftlichen Nutzfläche gehört, aber unter Berücksichtigung der allgemeinen Grundsätze gedüngt werden darf, und bei mit Hecken, Ufer‑ und Feldgehölzen bestockten Flächen, welche gemäss Art. 14 Abs. 1 Bst. f LBV zur landwirtschaftlichen Nutzfläche gehören können, aber nicht gedüngt werden dürfen. 

49. Die düngbare Fläche wird somit negativ definiert, als diejenige Fläche für die keine Düngeverbote bestehen. Solche Düngeverbote ergeben sich aus Anh. 2.6 Ziff. 3.3.1 ChemRRV, Art. 41c Abs. 3 GSchV und Anh. 4 Ziff. 223 GSchV mit den in Anh. 2.6 Ziff. 3.3.2 ChemRRV statuierten Ausnahmen. Sie betreffen namentlich oberirdische Gewässer bzw. den Gewässerraum, Grundwasserschutzzonen S 1 und S 2 (für Flüssigdünger), Riedgebiete und Moore, Wald und mit Hecken und Feldgehölzen bestockte Flächen sowie einen gegebenenfalls daran angrenzenden Pufferstreifen. Ab der weiteren Grundwasserschutzzone S 3 bestehen keine generellen bundesrechtlichen Einschränkungen mehr. Unter gewissen Voraussetzungen bezeichnen jedoch die Kantone Grundwasserschutzzonen bzw. ‑areale und erlassen die erforderlichen Bewirtschaftungsauflagen (Art. 20 f. GSchG). Dazu können auch Düngebeschränkungen oder ‑verbote zählen, wenn z.B. aufgrund der Nährstoffvorräte im Boden mit einer Abschwemmung oder Auswaschung zu rechnen ist. Freiwillige Düngeverbote ergeben sich sodann für Biodiversitätsförderflächen, wenn solche Biodiversitätsbeiträge beansprucht werden (Art. 58 Abs. 2 DZV). 

50. Die gesetzlichen Düngeverbote sind polizeilich motivierte Eigentumsbeschränkungen und lösen als solche nach der vom BGer in ständiger Rechtsprechung verwendeten Formel keine Entschädigungsfolgen aus, wenn sie der konkreten Gefahrenabwehr dienen und verhindern, dass der Eigentümer oder die Umwelt ernsthaft und unmittelbar gefährdet oder geschädigt werden. Gehen sie dagegen über das hinaus, was zur Abwendung der ernsthaften und unmittelbaren Gefahr erforderlich ist, ist das Verhältnismässigkeitsprinzip verletzt und der Eingriff wird entschädigungspflichtig (BGE 106 Ib 330, E. 4). Soweit nichtdüngbare Flächen als Biodiversitätsförderflächen (vormals ökologische Ausgleichsflächen) ausgeschieden werden können, für welche spezielle Beiträge ausgerichtet werden (vgl. Art. 73 LwG), dürften allfällige Nachteile aufgewogen sein (Maurer, Bodennutzung, 629). Allerdings wird geprüft, die Beiträge für die wenig belasteten Bergzonen III und IV per 2018 aufzuheben (Botschaft Agrarpolitik 2014–2017, 2102 und 2202). 


 

2.             Düngergrossvieheinheiten


 

51. Die DGVE stellt eine Grösse dar, anhand der ohne aufwendige Messungen und Berechnungen basierend auf Erfahrungswerten eine ungefähre Nährstoffbilanz des Betriebes erstellt werden kann. Die Grundeinheit entspricht dabei dem durchschnittlichen jährlichen Anfall von Gülle und Mist einer 600 kg schweren Kuh (Art. 14 Abs. 8 GSchG), d.h. einem Nährstoffanfall von 105 kg Stickstoff und 15 kg Phosphor (Art. 23 GSchV). Die Umrechnung auf andere Nutztierarten erfolgt ebenfalls gestützt auf die jährlich ausgeschiedene Nährstoffmenge und kann der Tab. 35 in den GRUDAF 2009 der Forschungsanstalten Agroscope Reckenholz-Tänikon und Changins-Wädenswil entnommen werden. Nicht identisch sind dagegen die GVE gemäss Art. 27 i.V.m. Anh. LBV.

52. Liegt der Tierbestand im Verhältnis zur Nutzfläche im Grenzbereich des Zulässigen, kann sich eine fallweise Überprüfung unter Hinzuziehung eines landwirtschaftlichen Sachverständigen aufdrängen, da die DGVE bloss Orientierungscharakter haben (Brunner, Bodenschutz, 541).

53. Die Menge der ausgeschiedenen Nährstoffe kann schliesslich durch nährstoffreduziertes Futter (sogenanntes Ökofutter) signifikant beeinflusst werden, welches in der Schweine‑, Kaninchen‑, Junghennen‑, Legehennen‑, Mastpoulet‑ und Masttrutenhaltung zum Einsatz gelangen kann. Einzelheiten können der Wegleitung Suisse-Bilanz der AGRIDEA und des BLW vom Juni 2013 entnommen werden (Berechnungsbeispiel: VGer ZG, Urteil vom 10. April 1997, zit. nach Brunner, Bodenschutz, 523).

54. Auf Bundesebene gab es 1994 einen Vorstoss zur Einführung einer Lenkungsabgabe auf Hofdüngerüberschüssen. Der 2003 veröffentlichte Düngerbericht des Bundesrates kam jedoch zum Schluss, dass die geltenden gesetzlichen Grundlagen zum Schutz der Gewässer ausreichend seien, weshalb das Unterfangen in der Folge fallengelassen wurde. Im Gegensatz dazu hat der Kanton LU eine solche Lenkungsabgabe mit § 34 EGGSchG LU verwirklicht und bringt sie offenbar auch zur Anwendung (VGer LU, Urteil vom 3. November 2005 [V 04 257], in: LGVE 2005 II Nr. 3, 195 ff.). Mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu einem kantonalrechtlichen Versickerungsverbot (BGer 1C_390/2008 vom 15. Juni 2009) kann man sich allerdings fragen, ob diese Regelung bundesrechtskonform ist.


 

3.             Ortsüblicher Bewirtschaftungsbereich (Abs. 4)


 

55. Für den Ort der Hofdüngerverwertung normiert Art. 14 Abs. 4 Satz 2 GSchG bei Ausbringung ausserhalb des ortsüblichen Bewirtschaftungsbereiches die Haltung nur so vieler Nutztiere, dass mindestens die Hälfte des im Betrieb anfallenden Hofdüngers auf der eigenen oder gepachteten Nutzfläche verwertet werden kann. 

56. Der gewässerschutzrechtlich relevante ortsübliche Bewirtschaftungsbereich (oBB) umfasst die Nutzflächen in einer Fahrdistanz von max. 6 km um das Stallgebäude, in dem der Hofdünger anfällt (Art. 24 Abs. 1 GSchV). Die kantonale Behörde kann diese Begrenzung unter Berücksichtigung der ortsüblichen Bewirtschaftungsverhältnisse herabsetzen oder um höchstens 2 km erhöhen (Art. 24 Abs. 2 GSchV). In BGer 5A_107/2013 vom 7. Juni 2013, E. 4.2, hat das Bundesgericht festgehalten, dass im Bereich des BGBB öffentlich-rechtlich und privatrechtlich von einer einheitlichen Grösse des ortsüblichen Bewirtschaftungsbereiches auszugehen ist. In Bestätigung der bisherigen Rechtsprechung sei dieser bei einer Fahrdistanz von 9.5 km resp. 8.3 km Fahrdistanz überschritten (E. 4.3). Damit dient die Festlegung eines ortsüblichen Bewirtschaftungsbereiches dem Arrondierungsgedanken und bringt zum Ausdruck, dass ein landwirtschaftlicher Betrieb eine räumliche und ökonomische Einheit bilden soll, um als solcher zu gelten. Für das Gewässerschutzrecht wird de lege ferenda zu prüfen sein, ob diese Konzeption aufrecht erhalten bleiben soll oder ob sie (jedenfalls in diesen engen Grenzen) nicht mehr zeitgemäss ist (vgl. Bericht Düngerbilanz 2009, 3 und Mo. Bischofberger).


 

4.             Herabsetzung durch Kantone (Abs. 6)


 

57. Gestützt auf Art. 14 Abs. 6 GSchG setzen die kantonalen Behörden die zulässigen DGVE pro Hektare herab, wenn dies aufgrund der Bodenbelastbarkeit, Höhenlage und Topografie erforderlich ist. 

58. Dies kann grundsätzlich im Wege einer generell-abstrakten Norm erfolgen, wenn hinreichend klar ist, dass es in einem gewissen Gebiet ansonsten zu einer anhaltenden Belastung der Gewässer kommen könnte, sei dies aufgrund der Bodenbelastbarkeit einschliesslich einer allfälligen Vorbelastung oder aufgrund der Höhenlage bzw. dem dadurch beeinflussten Nährstoffbedarf der Pflanzen. Die Topographie dürfte dagegen für sich genommen kein zuverlässiges Kriterium darstellen (Kantonsgericht SZ, Urteil vom 1. Februar 2005 [SK 2004 29], in: EGV-SZ 2004, A. 4.2, 70 ff.). Da sowohl die mengenmässige Begrenzung des Hofdüngeranfalls pro düngbarer Nutzfläche als auch deren Herabsetzung letztendlich der Erreichung einer ausgeglichenen Nährstoffbilanz dienen, rechtfertigt jedes der in Abs. 6 genannten Kriterien eine Korrektur des Höchstwertes durch die Kantone, wenn sie für die langfristige Reinhaltung der Gewässer erforderlich ist. Manche Kantone haben denn auch einschlägige generell-abstrakte Regelungen getroffen (z.B. Art. 18 Abs. 2 KGV BE). Unter dem Gesichtswinkel, dass die Bewirtschaftungsbeschränkungen in Art. 14 GSchG als polizeilich motivierte Eigentumsbeschränkungen jedoch nur bedenkenlos zugelassen werden können, wenn sie der konkreten Gefahrenabwehr dienen, scheint bei generellen Einschränkungen eine gewisse Gefahr der Verletzung des Verhältnismässigkeitsprinzips zu bestehen. Auch wenn individuell-konkrete Korrekturen unter Umständen mit erheblichem Abklärungsaufwand verbunden sind, welcher im Gewässerschutzrecht – anders als bei den Direktzahlungen – wegen der umgekehrten Beweislast schlussendlich das Gemeinwesen trifft, werden die rechtsanwendenden Behörden nicht vor einer wohlbegründeten Überprüfung des Einzelfalles zurückschrecken dürfen.

59. Die in BGer 2C_450/2009 vom 10. Februar 2011, E. 3.2.4 (publ. BGE 137 II 182 ff.) vom Bundesgericht vorgebrachte Argumentation für die in der Regel unabhängig von der konkreten Bewirtschaftung erfolgende Betrachtung mag für BGBB-Verfahren zutreffen, für eine gewässerschutzrechtliche Beurteilung kann sie aber nicht ohne weiteres herangezogen werden. Hier ist vielmehr einzelfallprüfungsweise die konkrete Nährstoffbilanz heranzuziehen, welche unter Einbezug sämtlicher massgebender Fakten ausgeglichen zu sein hat.


 

5.             Ausnahmen bei Nutzfläche (Abs. 7)


 

60. Von der dem Bundesrat in Art. 14 Abs. 7 GSchG eingeräumten Kompetenz, Ausnahmen von den Anforderungen an die Nutzfläche vorzusehen für Betriebe mit Geflügel oder Pferdehaltung sowie Betriebe, die Aufgaben im öffentlichen Interesse erfüllen, hat er in Art. 25 GSchV Gebrauch gemacht. Der Bestimmung liegt eine gesetzgeberische Interessenabwägung zugrunde, da gerade in der Poulet-Mast viel Mist anfällt, der nicht direkt auf dem Betrieb als Dünger weiterverwertet werden kann. Einerseits kann er nämlich zu Verkehrsdünger verarbeitet werden, andererseits findet Geflügel‑ und Pferdemist in der Champignonproduktion Verwendung. Schliesslich gibt es Bestrebungen zur Verwendung als Brennstoff, wobei dadurch allerdings die in Art. 14 Abs. 2 GSchG statuierte Verpflichtung zur landwirtschaftlichen oder gartenbaulichen Verwertung des Düngers tangiert wird. Auch die übrigen Ausnahmen sind durch ein überwiegendes, nicht gewässerschutzliches Interesse – wie insb. die energetisch sinnvolle Verwertung von Abfällen – gedeckt. 

61. Hingegen findet die übergangsrechtlich motivierte Ausnahmekompetenz für vorbestehende kleinere und mittlere Betriebe im geltenden Recht soweit ersichtlich keinen Niederschlag.


 

E.            Erfassung der Düngerabgabe (Abs. 5)


 

62. Bis am 31. Dezember 2013 musste für Hofdüngerüberschüsse ein schriftlicher Düngerabnahmevertrag geschlossen werden, welcher von der zuständigen Behörde zu genehmigen war (Art. 14 Abs. 5 GSchG i.d.F. vom 24. Januar 1991, in Kraft seit 1. November 1992). Dieses System zeigte insb. im kantonsübergreifenden Vollzug Schwächen, weshalb es nun durch ein gesamtschweizerisches informatikbasiertes Informationssystem zur einheitlichen Verwaltung von Hof‑ und Recyclingdüngerverschiebungen in der Landwirtschaft nach Art. 165f LwG ersetzt wurde (HODUFLU; Art. 14 Abs. 5 GSchG).


 

1.             Informationssystem


 

63. Es gibt Anzeichen dafür, dass die Hofdüngerverschiebungen 2000 bis 2007 zugenommen haben, obschon der Gesamttierbestand praktisch stagniert hat (Zunahme von 0.5 %). Dies deshalb, weil einerseits die Haltung von Raufutterverzehrern zugunsten einer bodenunabhängigen Haltung von Schweinen und Geflügel aufgegeben wurde und weil andererseits insb. in den tierintensiven Gebieten eine Zunahme des Tierbesatzes pro Hektare düngbarer Fläche zu verzeichnen war. Entgegen Maurer ist der durchschnittliche Tierbesatz gesamtschweizerisch gesehen jedoch auf ausreichend tiefem Niveau, damit bei einem optimalen Nährstoffmanagement alle betrieblichen Hofdüngerüberschüsse noch effizient im Inland genutzt werden können (Bericht Düngerbilanz 2009, 2, und Maurer, Bodennutzung, 618). 

64. Die zunehmende Mobilität des Hofdüngers – nicht zuletzt auch aufgrund der Nutzung zur Produktion erneuerbarer Energie – machte jedoch eine flächendeckende Erfassung und Kontrolle der Nährstoffflüsse erforderlich. Das BLW und das BAFU haben zu diesem Zweck eine Internetapplikation zur EDV-basierten Verwaltung aller inner- und interkantonalen Hofdüngerverschiebungen (HODUFLU) entwickelt. Soweit Dünger abgegeben werden, sind die Mengen seit 1. Januar 2014 zwingend darin zu erfassen. Darüber hinaus würde das Programm aber auch die Möglichkeit zur Weiterentwicklung in Richtung einer Nährstoffbörse bieten (Bericht Düngerbilanz 2009, 2 f.). Als solche könnte es eventuell die Antwort auf Bestrebungen sein, den gesetzlich zulässigen Maximalbesatz von Art. 14 Abs. 4 GSchG generell zu senken, wenn die Hofdüngerüberschüsse anstelle des Einsatzes von (importierten) Mineraldüngern treten könnten.

65. Sowohl das BAFU als auch die kantonalen Behörden haben gestützt auf Art. 165f Abs. 4 LwG die Kompetenz, die für ihre Vollzugsaufgaben erforderlichen Daten online abzurufen.


 

2.             Abnahmeverträge


 

66. Die Pflicht zum Abschluss von Abnahmeverträgen wurde zugunsten der zwingenden Verwendung des EDV-basierten Informationssystems bei Hofdüngerüberschuss-Abgaben aufgegeben. Es ist zu hoffen, dass gewisse, möglicherweise durch Medienbrüche bewirkte Schwierigkeiten bei der Erfassung der abgegebenen Hofdüngermengen in Zukunft wegfallen werden (vgl. BVGer B-1629/2012 vom 31. Juli 2012, E. 5; VGer SG, Urteil vom 21. August 2013 [B 2013/61], E. 4.5.5).

67. Soweit allerdings Abnahmeverträge zum Nachweis der genügenden Lagerkapazität i.S.v. Art. 14 Abs. 3 GSchG bzw. eines ausreichenden Mischverhältnisses i.S.v. Art. 12 Abs. 4 GSchG erforderlich waren, werden sie auch in Zukunft ihre Berechtigung beibehalten (vgl. VGer SG, Urteil vom 21. August 2013 [B 2013/61], E. 4.5).


 


 

​Résumé

Les art. 14–16 LEaux relatifs à l'utilisation des engrais de ferme constituent, avec l'art. 27 LEaux, le coeur des dispositions pertinentes relatives à l'agriculture dans la LEaux. Du point de vue de la LEaux, les émissions d'origine agricole, en particulier celles des composés de phosphore et d'azote peuvent avoir de lourdes conséquences pour la qualité des eaux lorsqu'elles sont déversées en concentrations trop élevées. 

L'al. 1 de l'art. 14 LEaux, imposant un bilan des engrais équilibré, s'applique à toute exploitation pratiquant la garde d'animaux de rente. Par bilan équilibré, on entend un juste équilibre entre les apports des éléments fertilisants (en particulier ceux de l'azote et du phosphore) par le biais d'engrais de ferme et du commerce et les besoins en éléments fertilisants de la culture. Le bilan équilibré a, outre sa pertinence pour la protection des eaux, un impact sur le droit aux paiements directs selon l'art. 13 OPD et constitue un élément restrictif dans le calcul de l'unité de main d'œuvre standard. 

L'art. 14 al. 2 LEaux institue un impératif de valorisation. L'utilisation agricole ou horticole des engrais de fermes doit être faite conformément à l'état de la technique et d'une manière compatible avec l'environnement. Selon la volonté du législateur, il est également interdit de déverser le fumier provenant de la garde d'animaux dans les canalisations publiques. 

La ratio legis de l'art. 14 al. 3 LEaux est de garantir que toutes les installations disposent suffisamment de capacité de stockage pour les engrais de ferme, ce afin de ne pas devoir épandre en temps inopportun ou de risquer un débordement des installations. 

L'art. 14 al. 4 LEaux institue une limitation de l'utilisation du sol par la restriction du nombre d'unités de gros bétail-fumure par hectare de surface utile. Les surfaces fertilisables sont définies de manière négative et sont donc les surfaces où la fumure n'est pas interdite. L'interdiction de fumure prévue par la LEaux est une restriction de propriété justifiée par des motifs de police et doit, selon la jurisprudence du Tribunal fédéral, être supportée sans indemnités lorsqu'elle vise à écarter un danger imminent concret et empêcher ainsi que le propriétaire soit sérieusement et directement mis en danger. La saisie obligatoire des livraisons de fumiers se fait par un système suisse d'information conformément à l'art. 14 al. 5 LEaux.

Selon l'art. 14 al. 6 LEaux, les autorités cantonales réduisent le nombre d'unités de gros bétail-fumure par hectare lorsque la charge du sol en polluants, l'altitude et les conditions topographiques le requièrent. 

Le Conseil fédéral a fait usage de la compétence prévue à l'art. 14 al. 7 LEaux qui lui permettait d'autoriser des exceptions aux exigences concernant la surface utile pour l'aviculture et la garde de chevaux, ainsi que pour les entreprises qui assument des tâches d'intérêt public (recyclage des déchets, recherche, etc.) en édictant l'art. 25 OEaux. 


 


 

Literatur: Maurer Hans, Beschränkung und Lenkung der landwirtschaftlichen Bodennutzung und Entschädigungsfragen, in: URP 2002, 616 ff. (zit. Bodennutzung); Stutz Hans W., Gelockerter Grundwasserschutz? – Zum Entscheid des Bundesgerichts vom 15. Juni 2009 (1C_390/2008) betreffend Gewässerschutz; Sanierung eines Laufhofs für Rinder (Pfäffikon ZH), in: URP 2009, 673 ff. (zit. Grundwasserschutz); Stutz Hans W., Redaktionelle Anmerkungen zum Urteil des Bundesgerichts 1C_62/2014 vom 15. Juni 2015, in: URP 2015, 394 ff. (zit. Urteilsanmerkungen 2015).


 


 

Materialien und amtliche Publikationen: Siebter Bericht über die Lage der schweizerischen Landwirtschaft und die Agrarpolitik des Bundes vom 27. Januar 1992, BBl 1992 II 130 ff. (zit. Bericht BR Landwirtschaft 1992); Botschaft zu einer Teilrevision des Bundesgesetzes über die Raumplanung (RPG) vom 22. Mai 1996, BBl 1996 III 513 ff. (zit. Botschaft RPG 1996); Botschaft zur Reform der Agrarpolitik – Zweite Etappe (Agrarpolitik 2002) vom 26. Juni 1996, BBl 1996 IV 1 ff. (zit. Botschaft Agrarpolitik 2002); Bericht des Bundesrates über die Reduktion der Umweltrisiken von Düngern und Pflanzenschutzmitteln vom 21. Mai 2003, BBl 2003 4802 ff. (zit. Bericht Umweltrisiken 2003); Bundesamt für Umwelt (BAFU) (Hrsg.) (verfasst durch Gassner Anita), Gewässerschutzbestimmungen in der Landwirtschaft – Ein internationaler Vergleich, Umwelt-Wissen Nr. 0618, Bern 2006 (zit. Gewässerschutzbestimmungen); Bericht des Bundesrates, Ausgeglichene Düngerbilanz im Zusammenhang mit Abnahmeverträgen für Hofdünger und Hofdüngertransporten, Bericht vom 24. Juni 2009 in Erfüllung des Postulates der Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Ständerates vom 10. November 2006 (06.3637) (zit. Bericht Düngerbilanz 2009); Forschungsanstalten Agroscope Reckenholz-Tänikon ART und Agroscope Changins-Wädenswil ACW/Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) (Hrsg.) (verfasst durch Flisch René/Sinaj Sokrat/Charles Raphaël et al.), Grundlagen für die Düngung im Acker‑ und Futterbau 2009 (GRUDAF), Posieux 2009 (zit. GRUDAF 2009); Botschaft zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik in den Jahren 2014–2017 (Agrarpolitik 2014–2017) vom 1. Februar 2012, BBl 2012 2075 ff. (zit. Botschaft Agrarpolitik 2014–2017); Bundesamt für Umwelt (BAFU)/Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) (Hrsg.), Baulicher Umweltschutz in der Landwirtschaft – Ein Modul der Vollzugshilfe Umweltschutz in der Schweiz – Stand Mai 2012, 2. Aufl., Umwelt-Vollzug Nr. 1101, Bern 2012 (zit. Baulicher Umweltschutz); Bundesamt für Umwelt (BAFU)/Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) (Hrsg.), Nährstoffe und Verwendung von Düngern in der Landwirtschaft – Ein Modul der Vollzugshilfe Umweltschutz in der Landwirtschaft, Umwelt-Vollzug Nr. 1225, Bern 2012 (zit. Umweltschutz Landwirtschaft); Bundesamt für Umwelt (BAFU) (Hrsg.) (verfasst durch Heldstab Jürg/Leippert Fabio/Biedermann Roger et al.), Stickstoffflüsse in der Schweiz 2020 – Stoffflussanalyse und Entwicklungen, Umwelt-Wissen Nr. 1309, Bern 2013 (zit. Stickstoffflüsse); AGRIDEA/Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) (Hrsg.), Wegleitung Suisse-Bilanz, Aufl. 1.11, Bern/Lindau 2013 (zit. Suisse Bilanz 2013); Motion Bischofberger (14.3095) «Ortsüblicher Bewirtschaftungsbereich. Ersatzlose Aufhebung von Artikel 24 der Gewässerschutzverordnung» 13. März 2014 (zit Mo. Bischofberger); Bundesamt für Umwelt (BAFU) (Hrsg.), Umwelt Schweiz 2013, Umwelt-Zustand Nr. 1070, Bern 2013 (zit. Umwelt 2013); Bundesamt für Statistik (BFS), Nachhaltige Entwicklung – MONET – Natürliche Ressourcen – Nitratgehalt im Grundwasser, <http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/21/02/ind32.indicator.72002.321

2.html>, 24.6.2015 (zit. MONET Nitratgehalt); Bundesamt für Statistik (BFS), Nachhaltige Entwicklung – MONET – Natürliche Ressourcen – Phosphorgehalt im Seewasser, <http://www.bfs.admin.ch/
bfs/portal/de/index/themen/21/02/ind32.indicator.72003.3212.html>, 24.6.2015 (zit. MONET Phosphorgehalt).


 

 

 

 


 

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