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Art. 34 GSchG - Art. 34 LEaux

Huber-Wälchli Veronika​ 

 

 

 Wasserentnahmen aus Seen und Grundwasservorkommen

Wird einem See oder einem Grundwasservorkommen Wasser entnommen und dadurch die Wasserführung eines Fliessgewässers wesentlich beeinflusst, so ist das Fliessgewässer sinngemäss nach den Artikeln 31–33 zu schützen.

Prélèvements d'eau dans les lacs et dans les nappes d'eaux souterraines

Lorsque des prélèvements opérés dans un lac ou dans une nappe d'eau souterraine influencent sensiblement le débit d'un cours d'eau, les art. 31 à 33 s'appliquent par analogie à la protection de ce cours d'eau.

Prelievi da laghi e da riserve di acque sotterranee

Quando prelievi effettuati da laghi o da falde freatiche influiscono sensibilmente sul deflusso di un corso d'acqua, quest'ultimo va protetto applicando per analogia gli articoli 31 a 33.

 

 

Inhaltsübersicht

Entstehungsgeschichte1
II. ​Geltungsbereich3
III.Sinngemässe Anwendung von Art. 31–33 GSchG6

 

 

 

I.              Entstehungsgeschichte

 

 

01 Art. 27 Abs. 2 E-GSchG 1984 sah vor, dass bei Wasserentnahmen aus Seen und Grundwasservorkommen, welche die Wasserführung eines Fliessgewässers beeinflussen, für denjenigen Schutz des Fliessgewässers zu sorgen sei, der sich aus der sinngemässen Anwendung der Art. 30–35 E-GSchG 1984 ergebe. In diesen Bestimmungen war der Schutz von Fliessgewässern unterhalb einer Wasserentnahme geregelt.

02. Der heutige Art. 34 GSchG entspricht wörtlich dem Vorschlag des Bundesrats (Art. 34 E-GSchG 1987). Er wurde vom Parlament diskussionslos angenommen.

 

 

II.           Geltungsbereich

 

 

03. Art. 34 GSchG gilt für Wasserentnahmen aus Seen und Grundwasservorkommen, die einer Bewilligung nach Art. 29 Bst. b GSchG bedürfen (vgl. Komm zu Art. 29 GSchG N 15, 47 ff.) und die Voraussetzung für eine Bewilligung gestützt auf Art. 30 Bst. c GSchG (vgl. Komm. zu Art. 30 GSchG N 26) nicht erfüllen.

04. Der Geltungsbereich von Art. 34 GSchG erstreckt sich somit auf bewilligungspflichtige Wasserentnahmen:

  • aus Seen;
  • aus Grundwasservorkommen (inkl. Quellen), wenn die Entnahme nicht der Trinkwasserversorgung dient;
  • aus Grundwasservorkommen (inkl. Quellen), wenn die Entnahme der Trinkwasserversorgung dient und wenn einer Quelle im Jahresmittel mehr als 80 l/s und dem Grundwasser mehr als 100 l/s entnommen werden.

05. Nach dem Wortlaut geht es bei Art. 34 GSchG um Wasserentnahmen, welche die Wasserführung «eines Fliessgewässers» wesentlich beeinflussen. Aus der Systematik der Bestimmungen sowie aus dem Wortlaut von Art. 29 Bst. b GSchG, ergibt sich, dass Art. 34 GSchG nur für Wasserentnahmen gilt, wenn dadurch die Wasserführung eines Fliessgewässers mit ständiger Wasserführung wesentlich beeinflusst wird (vgl. Komm. zu Art. 29 GSchG N 49 f.). Es handelt sich dabei um grössere Entnahmen.

 

 

III.        Sinngemässe Anwendung von Art. 31–33 GSchG

 

 

06. Art. 34 GSchG bezweckt den Schutz von Fliessgewässern mit ständiger Wasserführung, deren Wasserführung durch die Wasserentnahme aus einem See oder einem Grundwasservorkommen wesentlich beeinflusst wird.

07. Damit die Behörde beurteilen kann, ob als Folge einer Wasserentnahme eine wesentliche Beeinflussung eines Fliessgewässers zu erwarten und die Wasserentnahme somit bewilligungspflichtig ist, muss der Gesuchsteller Abklärungen bezüglich Ausmass der Beeinflussung durchführen (vgl. Komm. zu Art. 4 GSchG N 59). I.d.R. müssen die Abflussregimes beim betroffenen Fliessgewässer ohne und mit der geplanten Wasserentnahme abgeschätzt werden und es sind Angaben zu anderen bestehenden und geplanten Entnahmen aus dem See oder dem Grundwasservorkommen zu machen, ebenso zu Wasserentnahmen aus dem betroffenen Fliessgewässer (BUWAL, Wegleitung Restwassermengen, 75).

08. Wenn ein Fliessgewässer wesentlich beeinflusst wird, ist es sinngemäss nach Art. 31–33 GSchG zu schützen. Da die Auswirkungen von Wasserentnahmen aus Seen und Grundwasservorkommen auf Fliessgewässer meist nicht präzis ermittelt werden können, ist bei der Anwendung der Restwasserbestimmungen eine gewisse Flexibilität angebracht (BUWAL, Wegleitung Restwassermengen, 75). Führt jedoch die Fassung einer Quelle zu einer wesentlichen Beeinflussung eines Quellbachs, kann dieser direkt nach Art. 31–33 GSchG geschützt werden (vgl. Komm. zu Art. 30 GSchG N 32).

09. Durch geeignete Massnahmen, z.B. eine mengenmässige Beschränkung der Wasserentnahme, muss grundsätzlich erreicht werden, dass im betroffenen Fliessgewässer die Anforderungen nach Art. 31–33 GSchG erfüllt sind
(Eckert, Restwassermengen, 104).

10. Wasserentnahmen aus Seen und Grundwasservorkommen sind weitere Grenzen gemäss anderen Bestimmungen des GSchG gesetzt, für Seen durch Art. 42 Abs. 1 GSchG, für Grundwasservorkommen durch 43 Abs. 1–3 und 6 GSchG (vgl. Jagmetti, Energierecht, N 4239).

11. Wenn eine Wasserentnahmebewilligung erforderlich ist, hat der Gesuchsteller einen Restwasserbericht (vgl. Komm. zu Art. 33 GSchG N 67 ff.) einzureichen, welcher darlegt, wie das Fliessgewässer sinngemäss nach Art. 31–33 GSchG geschützt werden soll und der die durchgeführten Abklärungen beschreibt:

  • Für die Abschätzung der Auswirkungen einer andauernden Wasserentnahme aus einem See kann in einer ersten Näherung die Annahme getroffen werden, die Entnahme erfolge am Seeauslass bzw. beim Beginn der Fliessstrecke (vgl. dazu VGer GL, Urteil vom 30. Oktober 2014 [VG.2014.00051], E. 4.4, 4.5). Bei kurzzeitigen Entnahmen kann versucht werden, die dämpfende Wirkung des Sees angemessen zu berücksichtigen.
  • Die Beurteilung der Auswirkungen von Wasserentnahmen aus Grundwasservorkommen auf Fliessgewässer bzw. generell auf Oberflächengewässer ist komplex und selbst unter Beizug ausgewiesener Spezialisten selten sicher abschätzbar. Erinnert sei an die ungewollte Wasserentnahme aus dem Grundwasservorkommen von Flims, als beim Bau des Umfahrungstunnels im Jahr 2002 ein Karstgrundwassersystem angebohrt wurde und dadurch eine neue Quelle entstand. Dies hatte Auswirkungen auf mehrere Fliessgewässer und Seen bei Flims, insbesondere den Caumasee und seine Zuflüsse (Schweizerisches Institut für Speläologie und Karstforschung/Gemeinde Flims, Wasserwege, 15 f., 21). In diesem Fall ging es «nur» um die Beurteilung einer bereits eingetretenen Wasserentnahme. Prognosen zu stellen ist naturgemäss noch viel schwieriger.

12. In der Praxis ist es zweckmässig, vor Erteilung einer Bewilligung nach Art. 29 GSchG für eine Wasserentnahme aus einem Grundwasservorkommen oder einem See eine zeitlich befristete Bewilligung für einen Versuchsbetrieb der Wasserentnahme mit Auflagen betreffend die Erfassung der Auswirkungen zu erteilen. Anschliessend kann aufgrund der beim Versuchsbetrieb festgestellten Auswirkungen die definitive Bewilligung nach Art. 29 GSchG (und wenn nötig die Konzession) erteilt werden.

 

 

Résumé

Celui qui opère dans des lacs ou des nappes d'eaux souterraines un prélèvement qui influence sensiblement le débit d'un cours d'eau à débit permanent, doit être titulaire d'une autorisation selon l'art. 29 LEaux. Les art. 31 à 33 LEaux s'appliquent par analogie à la protection de ce cours d'eau. Pour déterminer s'il s'agit d'une influence sensible, l'autorité va en principe estimer le régime d'écoulement avec et sans le prélèvement d'eau projeté et tenir compte des éventuelles indications d'autres prélèvements existants ou projetés. Un rapport sur les débits résiduels au sens de l'art. 33 al. 4 LEaux doit être soumis à l'autorité.

Literatur: Eckert Maurus, Rechtliche Aspekte der Sicherung angemessener Restwassermengen, Diss. Zürich 2002 (zit. Restwassermengen); Jagmetti Riccardo, Energierecht, Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht (SBVR), Band VII, Basel/Genf/München 2005 (zit. Energierecht).

Materialien und amtliche Publikationen: Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) (Hrsg.) (verfasst durch Estoppey Rémy/Kiefer Bernd/Kummer Manfred et al.), Wegleitung Angemessene Restwassermengen – Wie können sie bestimmt werden?, Vollzug Umwelt, Bern 2000 (zit. Wegleitung Restwassermengen); Schweizerisches Institut für Speläologie und Karstforschung/Gemeinde Flims (Hrsg.) (verfasst durch Häuselmann Philipp/Jeannin Pierre-Yves), Wasserwege der Gemeinde Flims und ihre Einflüsse auf den Caumasee, Öffentlicher Bericht 2004–2008, La Chaux-de-Fonds 2009 (zit. Wasserwege).