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Art. 45 GSchG - Art. 45 LEaux

  Ruch Alexander​

 

 

1. Kapitel: Vollzug/Chapitre 1: Exécution

 

1. Abschnitt: Vollzug durch die Kantone/ Section 1: Exécution par les cantons

 

Die Kantone vollziehen dieses Gesetz, soweit nicht Artikel 48 den Vollzug dem Bund überträgt. Sie erlassen die erforderlichen Vorschriften.

Les cantons exécutent la présente loi, à moins que l'art. 48 n'attribue cette tâche à la Confédération. Ils édictent les prescriptions nécessaires.

I Cantoni eseguono la presente legge, sempreché l'articolo 48 non attribuisca questo compito alla Confederazione. Essi emanano le prescrizioni necessarie.

 

 

Inhaltsübersicht

Entstehungsgeschichte1
II. ​Allgemeine Bemerkungen3
III.Kommentierung4

 

 

I.              Entstehungsgeschichte

 

 

1. Das GSchG 1971 hatte die Vollzugsbestimmungen direkt nach den Geltungsbereichs‑ und Zwecknormen und vor den materiellen Vorschriften über den Gewässerschutz platziert (Art. 3–10 GSchG 1971). Unter dem Titel «Aufgaben der Kantone» hatte es in Art. 5 GSchG 1971 geregelt, dass den Kantonen der Vollzug obliegt, dass sie die zur Zweckerreichung erforderlichen Massnahmen treffen, soweit notwendig Ausführungsvorschriften, allenfalls durch Verordnung, erlassen, eine leistungsfähige Fachstelle errichten und diese mit den nötigen Befugnissen ausstatten, die Gewässerschutzpolizei organisieren und dass die kantonalen Ausführungserlasse zu ihrer Verbindlichkeit der Genehmigung des BR bedürfen.

2. Der neue Aufbau, der nach den einleitenden Bestimmungen die materiellen Vorschriften und am Ende die Normen über Organisation, Verfahren und Vollzug sowie Straf‑ und Schlussbestimmungen ordnet – heute gängige Systematik (vgl. Müller/Uhlmann, Rechtssetzungslehre, N 206) – wurde dem Aufbau des Umweltschutzgesetzes nachgebildet (vgl. Botschaft GSchG 1987, 1083). Seit dem Erlass 1991 ist Art. 45 GSchG unverändert geblieben.

 

 

II.           Allgemeine Bemerkungen

 

 

3. Art. 45 GSchG ist die einzige Bestimmung des GSchG, die den Vollzug durch die Kantone regelt. Ihre systematische Einordnung vor den Vorschriften über den Vollzug durch den Bund (Art. 46–48 GSchG) weist darauf hin, dass der Vollzug in erster Linie Sache der Kantone ist. Schon verfassungsrechtlich ist der Vollzug von Bundesrecht – die BV nennt es Umsetzung – Sache der Kantone (Art. 46 BV, nach dessen Abs. 1 die Kantone das Bundesrecht «nach Massgabe von Verfassung und Gesetz» umsetzen; zum kontroversen Verständnis dieser Wendung vgl. Kägi-Diener, St. Galler Kommentar, Art. 46 N 15 ff.; Rhinow/Schefer, Verfassungsrecht, N 822; Tschannen, Staatsrecht, § 24 N 25).

 

 

III.        Kommentierung

 

 

4. Einzelheiten der Vollzugstätigkeit und der Einrichtung der Vollzugsorganisation, wie sie noch im Gesetz von 1971 verankert waren (vgl. N 1), regelt Art. 45 GSchG nicht. Im Begriff «Vollzug» ist alles enthalten und die Kantone haben alles vorzukehren, was der Verwirklichung des Gesetzes dient: Erlass von gesetzlichen Vorschriften (vgl. Satz 2), Einrichtung einer Behördenorganisation, von Verfahren einschliesslich Rechtsschutz, Bereitstellung von Sach‑ und Finanzmitteln, Erlass von Verfügungen, allenfalls Abschluss von Verträgen (vgl. auch Biaggini, BV-Kommentar zu Art. 46 N 2).

5. Verantwortlich (gegenüber dem Bund) für die Umsetzung des GSchG sind die Kantone. Sie bleiben es auch dann, wenn sie Vollzugsaufgaben an die Gemeinden delegieren. In diesen Fällen trifft die kantonalen Behörden eine erhöhte Überwachungspflicht, die Ersatzmassnahmen und weitere Akte des Verwaltungszwangs einschliesst. Das gilt selbstverständlich auch gegenüber Privaten, die Aufgaben im Rahmen des Gewässerschutzes nach GSchG wahrnehmen.

6. Der Vorbehalt der Regelungen, die Art. 48 GSchG trifft, hindert die Kantone daran, in jenen Bereichen tätig zu werden. Nicht ausgeschlossen ist es, dass der Bund den Kantonen gewisse Teilaufgaben zuweist (vgl. Art. 48 Abs. 3 Satz 2 GSchG). Die Kantone benötigen diese Übertragung, wenn sie aktiv werden wollen.

7. Satz 2 erscheint heute überflüssig. Zum Vollzug gehört, wie gesehen, der Erlass von Rechtssätzen und zwar derjenigen Rechtssätze, die für den wirkungsvollen Vollzug erforderlich sind. Der Bundesgesetzgeber überlässt die Festlegung der Erlassstufe den Kantonen. Sie haben nach ihrem (Verfassungs‑)Recht zu entscheiden, für welche Vorschriften es des Gesetzes, für welche der Verordnung bedarf.

8. Kantonale Vollzugserlasse sind z.B.
  • Kanton Aargau: Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung über den Schutz von Umwelt und Gewässer (EG Umweltrecht, EG UWR) vom 4. September 2007; Verordnung zum Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung über den Schutz von Umwelt und Gewässer (V EG UWR) vom 14. Mai 2008; Vollzugsverordnung zur Gewässerschutzverordnung des Bundes (VV GSchV) vom 25. Januar 2012.
  • Kanton Appenzell-Innerrhoden: Einführungsgesetz zum Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer (EG GSchG) vom 25. April 1993; Verordnung zum Einführungsgesetz zum Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer (VEG GSchG) vom 25. Oktober 1993.
  • Kanton Appenzell-Ausserrhoden: Gesetz über die Einführung der Bundesgesetze über den Umweltschutz und über den Schutz der Gewässer (Umwelt‑ und Gewässerschutzgesetz; UGsG) vom 16. Februar 2004; Verordnung zum Gesetz über die Einführung der Bundesgesetze über den Umweltschutz und über den Schutz der Gewässer (Umwelt‑ und Gewässerschutzverordnung; UGsV) vom 16. August 2005.
  • Kanton Basel-Landschaft: Gesetz über den Gewässerschutz vom 5. Juni 2003; Kantonale Gewässerschutzverordnung (kGSchV) vom 13. Dezember 2005.
  • Kanton Basel-Stadt: Kantonale Gewässerschutzverordnung vom 12. Dezember 2000; Gesetz über Grundwasserschutzzonen vom 15. Dezember 1983.
  • Kanton Bern: Einführungsverordnung zu Artikel 36a des Bundesgesetzes über den Schutz der Gewässer 27. Juni 2012; Kantonales Gewässerschutzgesetz (KGSchG) vom 11. November 1996; Kantonale Gewässerschutzverordnung (KGV) vom 24. März 1999.
  • Kanton Fribourg: Gewässergesetz (GewG) vom 18. Dezember 2009; Gewässerreglement (GewR) vom 21. Juni 2011.
  • Kanton Genf: Loi sur les eaux (LEaux-GE) du 5 juillet 1961; Règlement d'exécution de la loi sur les eaux (REaux-GE) du 15 mars 2006.
  • Kanton Glarus: Einführungsgesetz zum Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer (Einführungsgesetz zum Gewässerschutzgesetz) vom 7. Mai 1995; Verordnung zum Einführungsgesetz zum Gewässerschutzgesetz (Gewässerschutzverordnung) vom 20. Dezember 1995.
  • Kanton Graubünden: Einführungsgesetz zum Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer (Kantonales Gewässerschutzgesetz, KGSchG) vom 8. Juni 1997; Verordnung zum Einführungsgesetz zum Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer (Kantonale Gewässerschutzverordnung, KGSchV) vom 27. Januar 1997 (Parlaments-Verordnung).
  • Kanton Jura: Ordonnance sur la protection des eaux du 6 décembre 1978.
  • Kanton Luzern: Einführungsgesetz zum Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer vom 27. Januar 1997; Vollzugsverordnung zum Einführungsgesetz zum Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer (Kantonale Gewässerschutzverordnung) vom 23. September 1997.
  • Kanton Neuchâtel: Lois sur la protection des eaux (LCPE) du 15 octobre 1984; Règlement d'execution de la loi sur la protection des eaux (RLCPE) du 18 février 1987.
  • Kanton Nidwalden: Einführungsgesetz zum Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer (Kantonales Gewässerschutzgesetz, kGSchG) vom 1. April 2009; Vollzugsverordnung zum kantonalen Gewässerschutzgesetz (Kantonale Gewässerschutzverordnung, kGSchV) vom 16. Juni 2009.
  • Kanton Obwalden: Vollziehungsverordnung zum Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer (kantonale Gewässerschutzverordnung) vom 16. März 2006 (Parlaments-Verordnung).
  • St. Gallen: Vollzugsgesetz zur eidgenössischen Gewässerschutzgesetzgebung (GSchVG) vom 11. April 1996; Verordnung zum Vollzugsgesetz zur eidgenössischen Gewässerschutzgesetzgebung vom 21. Januar 1997.
  • Kanton Schaffhausen: Einführungsgesetz zum Gewässerschutzgesetz vom 27. August 2001; Vollziehungsverordnung zum Einführungsgesetz zum Gewässerschutzgesetz (Kantonale Gewässerschutzverordnung, GSchVV) vom 2. Juli 2002.
  • Kanton Schwyz: Kantonale Verordnung zum Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer vom 19. April 2000 (Parlaments-Verordnung); Vollzugsverordnung zur Kantonalen Verordnung zum Gewässerschutzgesetz (GSchG-VV) vom 3. Juli 2001.
  • Kanton Solothurn: Gesetz über Wasser, Boden und Abfall (GWBA) vom 4. März 2009; Verordnung über Wasser, Boden und Abfall (VWBA) vom 22. Dezember 2009.
  • Kanton Thurgau: Einführungsgesetz zum Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer vom 24. Januar 1991 vom 5. März.1997; Verordnung des Regierungsrates zum Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer und zum Einführungsgesetz zum Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer vom 16. September 1997.
  • Kanton Tessin: Decreto esecutivo che designa il Dipartimento e il servizio competenti in materia di protezione delle acque dall'inquinamento del 3 settembre 1991; Legge d'applicazione della legge federale contro l'inquinamento delle acque dell'8 ottobre 1971 del 2 aprile 1975.
  • Kanton Uri: Verordnung über die Schadenwehr (Schadenwehrverordnung) vom 5. April 1995 (Parlaments-Verordnung).
  • Kanton Waadt: Loi sur la protection des eaux contre la pollution (LPEP) vom 17. September 1974; Décret 814.315 sur la protection des eaux contre la pollution et modifiant l'article 59, alinéa 2, de la loi du 17 septembre 1974 (DPEP) du 22 septembre 1981 (Parlaments-Verordnung); Règlement d'application de la loi du 17 septembre 1974 sur la protection des eaux contre la pollution (RLPEP) du 16 novembre 1979.
  • Kanton Wallis: Gesetz betreffend die Vollziehung des Bundesgesetzes über den Schutz der Gewässer gegen die Verunreinigung vom 16. November 1978.
  • Kanton Zug: Gesetz über die Gewässer (GewG) vom 25. November 1999; Verordnung zum Gesetz über die Gewässer (V GewG) vom 17. April 2000.
  • Kanton Zürich: Einführungsgesetz zum Gewässerschutzgesetz (EG GSchG) vom 8. Dezember 1974; Verordnung über den Gewässerschutz (KGSchV) vom 22. Januar 1975.

 

 

Résumé

L'art. 45 LEaux est une norme de répartition des compétences entre les cantons et la Confédération. Il s'agit de la seule disposition de la LEaux qui confère l'exécution de la loi aux cantons. Toutefois cet article ne précise ni les détails des activités d'exécution, ni leur organisation. La notion d'exécution couvre l'ensemble des activités suivantes: adoption des règles pertinentes à l'exécution, mise en place d'autorités compétentes et de la procédure pertinente, mise à disposition de moyens notamment financiers, prise de décisions ainsi que conclusion de contrats. Ils peuvent déléguer ces compétences aux communes ou à des privés. Dans ce cas, ils restent toutefois l'autorité responsable envers la Confédération et assument la surveillance de l'exécution par les communes.

 

 

Literatur: Müller Georg/Uhlmann Felix, Elemente einer Rechtssetzungslehre, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2013 (zit. Rechtssetzungslehre); Rhinow René/Schefer Markus, Schweizerisches Verfassungsrecht, 2. Aufl., Basel 2009 (zit. Verfassungsrecht).