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Art. 62 GSchG - Art. 62 LEaux

​Fehr-Bosshard Delia​​ | Stocker Lukas​

 

 

Abfallanlagen

1         Der Bund leistet den Kantonen im Rahmen der bewilligten Kredite Abgeltungen an die Erstellung und Beschaffung von Anlagen und Einrichtungen zur Entsorgung von Sonderabfällen, wenn diese Anlagen und Einrichtungen von gesamtschweizerischem Interesse sind.

2         Er leistet den finanziell schwachen und mittelstarken Kantonen im Rahmen der bewilligten Kredite Abgeltungen an die Erstellung und Beschaffung von Anlagen und Einrichtungen zur Behandlung oder Verwertung von Siedlungsabfällen, wenn der erstinstanzliche Entscheid über die Erstellung der Anlage vor dem 1. November 1997 getroffen ist. Der Bundesrat kann diese Frist für Regionen, die noch nicht über die notwendigen Kapazitäten verfügen, bis spätestens 31. Oktober 1999 verlängern, wenn die Umstände es erfordern.

2bis      Der Anspruch auf Bundesbeiträge nach Absatz 2 bleibt erhalten, wenn:

a.       der erstinstanzliche Entscheid über die Erstellung einer Anlage innerhalb der verlängerten Frist getroffen wurde;

b.       aus technischen Gründen, die nicht dem Kanton angelastet werden können, eine neue Anlage bewilligt werden muss;

c.       der neue erstinstanzliche Entscheid vor dem 1. November 2005 getroffen wird; und

d.      mit dem Bau vor dem 1. November 2006 begonnen wird.

3         … (Aufgehoben durch Ziff. II 33 des BG vom 20. März 2008 zur formellen Bereinigung des Bundesrechts, mit Wirkung seit 1. Aug. 2008; AS 2008 3437; BBl 2007 6121).

4         Die Abgeltungen betragen:

a.       25 Prozent der anrechenbaren Kosten für Anlagen und Einrichtungen nach den Absätzen 1 und 2;

b.       … (Aufgehoben durch Ziff. II 33 des BG vom 20. März 2008 zur formellen Bereinigung des Bundesrechts, mit Wirkung seit 1. Aug. 2008; AS 2008 3437; BBl 2007 6121).

Installations d'élimination des déchets

1         Dans la limite des crédits accordés, la Confédération alloue aux cantons des indemnités pour la mise en place d'installations et d'équipements servant à l'élimination de déchets spéciaux si ces installations et équipements sont d'intérêt national.

2         Dans la limite des crédits accordés, elle alloue aux cantons à faible ou moyenne capacité financière des indemnités pour la mise en place d'installations et d'équipements servant au traitement et à la valorisation des déchets urbains, si la décision de première instance relative à la réalisation de l'installation est prise avant le 1er novembre 1997. Pour les régions qui ne disposent pas encore des capacités d'élimination suffisantes, le Conseil fédéral peut, si les circonstances l'exigent, proroger ce délai jusqu'au 31 octobre 1999.

2bis      Le droit aux indemnités fédérales au sens de l'al. 2 demeure aux conditions suivantes:

a.       la décision de première instance relative à la réalisation d'une installation a été prise dans le respect du délai prorogé;

b.       une nouvelle installation doit être autorisée pour des raisons techniques non imputables au canton;

c.       la décision de première instance relative à la réalisation de la nouvelle installation est délivrée avant le 1er novembre 2005;

d.       la construction débute avant le 1er novembre 2006.

3         … (Abrogé par le ch. II 33 de la LF du 20 mars 2008 relative à la mise à jour formelle du droit fédéral, avec effet au 1er août 2008; RO 2008 3437; FF 2007 5789).

4         Les indemnités se montent à:

a.       25 % des coûts imputables pour les installations et équipements prévus aux al. 1 et 2;

b.       … (Abrogée par le ch. II 33 de la LF du 20 mars 2008 relative à la mise à jour formelle du droit fédéral, avec effet au 1er août 2008; RO 2008 3437; FF 2007 5789).

Impianti per i rifiuti

1         Entro i limiti dei crediti stanziati, la Confederazione assegna ai Cantoni indennità per la costruzione e l'acquisto di impianti, installazioni e apparecchiature destinati allo smaltimento di rifiuti speciali qualora tali infrastrutture siano d'interesse nazionale.

2         Entro i limiti dei crediti stanziati, la Confederazione assegna ai Cantoni con capacità finanziaria debole o media indennità per la costruzione e l'acquisto di impianti, installazioni e apparecchiature destinati al trattamento o al riciclaggio di rifiuti urbani, se la decisione di prima istanza sulla costruzione dell'impianto è presa prima del 1° novembre 1997. Per regioni che non dispongono ancora della capacità necessaria, il Consiglio federale può prorogare tale termine, al più tardi fino al 31 ottobre 1999, sempreché le circostanze lo richiedano.

2bis      Il diritto alle indennità federali secondo il capoverso 2 permane se:

a.       la decisione di prima istanza relativa alla realizzazione di un impianto è stata presa entro il termine prorogato;

b.       per ragioni tecniche che non possono essere imputate al Cantone, dev'essere autorizzato un nuovo impianto;

c.       la nuova decisione di prima istanza è presa prima del 1° novembre 2005; e

d.       la costruzione inizia prima del 1° novembre 2006.

3         ... (Abrogato dal n. II 33 della LF del 20 mar. 2008 concernente l'aggiornamento formale del diritto federale, con effetto dal 1° ago. 2008; RU 2008 3437; FF 2007 5575)

4         Le indennità ammontano:

a.       al 25 per cento dei costi computabili per gli impianti, le installazioni e le apparecchiature giusta i capoversi 1 e 2;

b.       ... (Abrogata dal n. II 33 della LF del 20 mar. 2008 concernente l'aggiornamento formale del diritto federale, con effetto dal 1° ago. 2008; RU 2008 3437; FF 2007 5575).

 

Inhaltsübersicht

Entstehungsgeschichte1
II.  ​Allgemeine Bemerkungen8
III. Kommentierung9
​A.Abgletungen an Anlagen und Einrichtungen zur Entsorgung von Sonderabfällen (Abs. 1.)​9
B.Abgeltungen an Anlagen und Einrichtungen zur Behandlung oder Verwertung von Siedlungsabfällen (Abs. 2)15
C.Anspruch auf Bundesbeiträge (Abs. 2bis)16
D.Abs. 3 und Abs. 4 Bst. b (aufgehoben)17
​E​Höhe der Abgeltungen (Abs. 4 Bst. a)18

 

 

I.              Entstehungsgeschichte

 

 

1. Der Bund interessierte sich zuerst im Zusammenhang mit dem Gewässerschutz für die Abfallpolitik (Kiener, Kommentar USG, Art. 52 N 11). Die Beteiligung des Bundes an der Abfallbeseitigung wurde massgeblich durch das 1967 eingereichte Volksbegehren für den Schutz der Gewässer vorangetrieben. Die Initiative forderte vom Bund die Gewährung von niedrigverzinslichen Darlehen u.a. für Abfallbeseitigungsanlagen. Bis dahin konnte bei Kehrichtanlagen nur der Kostenanteil, der von der allfälligen Mitbehandlung von Klärschlamm herrührte, subventioniert werden (Botschaft GSchG 1970, 463). In den parlamentarischen Beratungen zum GSchG 1971 war die Subventionierung der Kehrichtbeseitigung nicht unumstritten. So wurde neben generellen Vorbehalten zu weiteren Ausgaben bspw. auch moniert, dass die Abfallbeseitigung eigentlich eine Aufgabe der Gemeinden darstelle (Votum Heimann, AB 1971 S 152). Die Erkenntnis, dass unzureichende Kehrichtbeseitigungen erheblichen Anteil an der Gewässerverschmutzung hatten, konnte schliesslich die Mehrheit der Ratsmitglieder überzeugen (Votum Stucki, AB 1971 S 153). Mit dem Erlass des GSchG 1971 wurde ein ganzer Katalog an beitragsberechtigten Abfallbeseitigungsanlagen eingeführt. Bundesbeiträge wurden gewährt an Anlagen zur Schlammbeseitigung bzw. ‑verwertung, Anlagen zur Beseitigung bzw. Verwertung fester Abfälle, Anlagen zur Verwertung, Beseitigung oder Vernichtung von Stoffen, die nicht in Kanalisationen oder Abwasserreinigungsanlagen abgegeben werden durften (wie Ölverbrennungsanlagen) und Einrichtungen, Geräte und Massnahmen zur Beseitigung wassergefährdender Stoffe und zur Sanierung von Gewässern (Art. 33 Abs. 1 Bst. b GSchG 1971). Die Beitragsvergabe orientierte sich stark am gewählten System bei den Abwasserreinigungsanlagen, indes wurden etwas tiefere Beitragssätze ausgerichtet (Art. 33 Abs. 3 GSchG 1971 sprach von höchstens 50 % der Kosten für Abwasseranlagen und höchstens 40 % der Kosten für Abfallbeseitigungsanlagen nach Art. 33 Abs. 1 Bst. b GSchG 1971; vgl. Komm. zu Art. 61 GSchG N 3).

2. Der Ausbau der Anlagen verlief auch aufgrund mangelnder gesetzlicher Befugnisse auf kantonaler und auf Bundesebene wenig koordiniert. Ausserdem führte die Einkalkulierung sowohl eines starken Wachstums der Abfallmengen als auch einer Reserve für Betriebsstörungen zu einer grossen Überkapazität in den Verbrennungsanlagen (Bundesamt für Umweltschutz, Leitbild Abfallwirtschaft, 21). Art. 27 Abs. 2 GSchG 1971, welcher die Kantone beauftragte, dafür zu sorgen, dass feste Abfälle aus Haushalt, Gewerbe und Industrie gesammelt und durch geordnetes Deponieren, Kompostieren, Verbrennen oder auf andere Weise schadlos beseitigt werden, konnte diese Entwicklungen zu wenig steuern. Die Bestimmung wurde mit Einführung des USG gestrichen. Darüber hinaus schuf das USG in Art. 30 ff. die notwendigen Grundlagen für eine verbesserte Zusammenarbeit und Koordinierung bei der Abfallbeseitigung und ermöglichte so unter Leitung des BUWAL eine verbesserte interkantonale Koordination in der Planung der Abfallbehandlung (Bundesamt für Umweltschutz, Leitbild Abfallwirtschaft, 22; Botschaft USG 1979, 776 f.; BUWAL, Interkantonale Koordination, passim). Die im Gewässerschutzgesetz enthaltene Regelung der Subventionsberechtigung beim Bau von Abfallbeseitigungsanlagen blieb dagegen durch den Erlass des USG unberührt (Botschaft USG 1979, 831 f.).

3. Wie die Beiträge an Abwasserreinigungsanlagen gerieten auch die Subventionen an die Abfallbeseitigung zunehmend unter den Spardruck des Bundes (vgl. Komm. zu Art. 61 GSchG N 4). Mit dem Erlass des GSchG richtete der Bund noch Beiträge an die Verwertung und Beseitigung von Klärschlamm sowie von Sonderabfällen, worunter Stoffe zu verstehen waren, die nicht in die Kanalisation geleitet oder in die Abwasserreinigungsanlagen gegeben werden durften (Art. 61 Abs. 1 Bst. d GSchG i.d.F. vom 24. Januar 1991). Weiterhin Beiträge an Anlagen zur Beseitigung oder Verwertung fester Abfälle und Einrichtungen zum Schutz von Gewässern bei Abfalldeponien erhielten nur noch finanziell mittelstarke und schwache Kantone, sofern mit der Erstellung innerhalb von fünf Jahren nach Inkrafttreten dieses Gesetzes begonnen wurde (Art. 61 Abs. 2 GSchG i.d.F. vom 24. Januar 1991). Im Rahmen des BG vom 18. März 1994 über die Sanierungsmassnahmen 1993 (Sanierungsmassnahmen 1993) kam es zu weiteren Beitragskürzungen. Neu wurden nur noch Anlagen zur Entsorgung von Sonderabfällen von gesamtschweizerischem Interesse subventioniert. Keine Beiträge wurden damit an Anlagen für Sonderabfälle mit nur regionaler Bedeutung ausgerichtet. Der Bundesrat argumentierte unter dem damaligen Spardruck, dass ein Rückzug des Bundes zumutbar sei, da durch die vermehrte Anwendung des Verursacherprinzips genügend Mittel zur Finanzierung solcher Anlagen zur Verfügung stünden (Botschaft Sanierungsmassnahmen 1993, 306 f.).

4. Wie im Bereich der Abwasserreinigung stellten auch die beabsichtigten Beitragskürzungen für die Abfallbeseitigung den Bund vor gewisse Probleme (vgl. Komm. zu Art. 61 GSchG N 5). Der Bund lag bei den Subventionszahlungen zudem teilweise in Verzug, was sich vor allem dort ungünstig auswirkte, wo Beitragsansprüche an den Beginn der Erstellung von Anlagen geknüpft wurden (wie bspw. bei Art. 61 Abs. 2 und 3 GSchG i.d.F. vom 1. August 1994). Mit Fristverlängerungen wurde versucht, mögliche Benachteiligungen von finanziell schwächeren Kantonen zu verhindern. Ein weiteres Anliegen war die Vermeidung von Härtefällen, welche etwa dadurch entstehen konnten, dass aufgrund von Einsprachen Baubewilligungen nicht rechtzeitig vorlagen und somit der Baubeginn soweit verzögert wurde, dass die im Gesetz vorgeschriebenen Fristen nicht mehr eingehalten werden konnten (Botschaft Sanierungsmassnahmen 1993, 306 f.; Botschaft GSchG 1996, 1219 f.).

5. Der Bund setzte trotz einer prekären finanziellen Lage die Vorgabe, die Finanzierung einer nachhaltigen Abwasserbeseitigung und Abfallentsorgung sicherzustellen (Botschaft GSchG 1996, 1219). Um dieses Ziel trotz Spardruck umsetzen zu können, wurde das Verursacherprinzip auch im Gewässerschutz eingeführt, was einen massiven Abbau bei den Subventionen für die Entsorgungsanlagen zur Folge hatte (vgl. Komm. zu Art. 61 GSchG N 4). Gleichzeitig wurde das USG unter anderem mit einem Artikel über die grundsätzlich verursachergerechte und kostendeckende Finanzierung der Entsorgung des Siedlungsabfalls und mit der Pflicht zum wirtschaftlichen Betrieb der Entsorgungsanlagen ergänzt (Art. 31b Abs. 2, Art. 32a USG). Die 1997 durchgeführte Teilrevision des GSchG und USG stellte damit die Finanzierung der Entsorgung des Abwassers und der Siedlungsabfälle auf eine neue Grundlage. (Brunner, Kommentar USG, Entstehung und Entwicklung N 62; Karlen, Neues Umweltrecht, 44).

6. Die heute gültige Form von Art. 62 Abs. 1 GSchG wurde durch die Änderung vom 20. Juni 1997 eingefügt, welche die Regelung von Art. 61 Abs. 1 Bst. f GSchG i.d.F. vom 1. August 1994 unverändert übernahm (Botschaft GSchG 1996, 1231). Die Regelung erwies sich als sinnvoll, da es sich gemäss Erfahrungen gezeigt habe, dass die Erstellung von Anlagen zur Behandlung von Sonderabfällen aus Haushalten oder Gewerbe häufig auf grosse Schwierigkeiten stosse. Dies gelte gemäss Bundesrat ganz besonders dann, wenn gesamtschweizerisch nur wenige Anlagen notwendig seien. Die Bestimmung ermöglichte damit dem Bund mit Subventionen eine wirksame Starthilfe zu geben und gleichzeitig die notwendige Koordination auszuüben (Botschaft GSchG 1996, 1231). Mit der Teilrevision des GSchG vom 20. Juni 1997 wurden zudem Beiträge an die Klärschlammbeseitigung bzw. Verbrennung abgeschafft (Botschaft GSchG 1996, 1226 f.).

7. Die Ausbautätigkeit bei Abfallbeseitigungsanlagen und die hierfür notwendigen Beitragsleistungen des Bundes wurden immer wieder durch Änderungen in der Umweltschutzgesetzgebung beeinflusst. So wurde beispielsweise auf den 1. Januar 2000 die direkte Ablagerung brennbarer Abfälle verboten und Art. 11 TVA verpflichtete die Kantone, dafür zu sorgen, «dass Siedlungsabfälle, Klärschlamm, brennbare Anteile von Bauabfällen und andere brennbare Abfälle, soweit sie nicht verwertet werden können, in geeigneten Anlagen verbrannt werden», was eine Abkehr von der Beseitigung der Abfälle über Kehrichtkompostwerken und Deponien hin zu Verbrennungsanlagen zur Folge hatte (Fahrni, Abfallplanung, 33; Kettler, Abfall, 4). Eine andere Wechselbeziehung bestand etwa mit der Subventionierung von Abwasseranlagen (vgl. Komm. zu Art. 61 GSchG N 3 f.). Durch die Ausbautätigkeit bei der Abwasserreinigung und der dadurch starken Zunahme der Kläranlagenzahl vergrösserte sich über die Jahre auch zwangläufig die anfallende Menge Klärschlamm. Wurde in den 1970er Jahren noch ca. 70 % des Klärschlamms als Dünger eingesetzt, geriet diese Verwertung zunehmend in die Kritik (Carrard, Klärschlammproblem, 56). Zwar enthält unbehandelter Klärschlamm wichtige Pflanzennährstoffe wie Phosphor und Stickstoff, darüber hinaus aber auch eine ganze Reihe von Schadstoffen und Krankheitserregern aus Industrie, Gewerbe und Privathaushalten. Zu Zeiten von Tierseuchen wie BSE wurden deshalb etwa Befürchtungen laut, die hierfür verantwortlichen Prionen könnten mit Klärschlamm verbreitet werden. Im Anschluss an eine breite wissenschaftliche und gesellschaftspolitische Auseinandersetzung mit der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung und deren möglichen Folgen änderte der Bundesrat per 1. Mai 2003 die Stoffverordnung (StoV). Klärschlamm durfte somit nicht mehr als Dünger auf Futter‑ und Gemüseflächen verwendet werden, bei den übrigen düngbaren Flächen gewährte die Verordnung eine Übergangsfrist bis 2006, wobei die Kantone diese Frist um höchstens zwei Jahre verlängern konnten. Da der Klärschlamm damit nicht mehr als Dünger verwendet werden durfte, war er gemäss der Technischen Verordnung über Abfälle (Art. 11 TVA) in geeigneten Anlagen zu verbrennen respektive umweltverträglich thermisch zu behandeln (BUWAL, Klärschlammentsorgung, 7 ff.; vgl. Kettler, Abfall, 4). Dies verlangte vom Bund und den Kantonen und weiteren involvierten Parteien Massnahmen zur Erhöhung der Trocknungs‑ und Entsorgungskapazitäten (vgl. zum Ganzen: BUWAL, Klärschlammentsorgung, 7 ff.).

 

 

II.           Allgemeine Bemerkungen

 

 

8. Art. 62 GSchG fällt in den Geltungsbereich des Subventionsgesetzes (Art. 2 Abs. 1 SuG), zu beachten sind insbesondere Art. 9 f. SuG und Art. 11 bis 40 SuG, solange das GSchG nichts Abweichendes vorschreibt (Art. 2 Abs. 2 SuG) (Vallender/Hettich/Lehne, Wirtschaftsfreiheit, 321). Ausserdem können im Rahmen von Art. 52 USG ebenfalls Beiträge an Abfallanlagen ausgerichtet werden, und zwar in Form von durch den Bund übernommenen Bürgschaften (zum Verhältnis der beiden Bestimmungen: Kiener, Kommentar USG, Art. 52 N 11).

 

 

III.        Kommentierung

 

 

A.           Abgeltungen an Anlagen und Einrichtungen zur Entsorgung von Sonderabfällen (Abs. 1)

 

9. Der Bund leistet gemäss Art. 61 Abs. 1 GSchG «den Kantonen im Rahmen der bewilligten Kredite Abgeltungen an die Erstellung und Beschaffung von Anlagen und Einrichtungen zur Entsorgung von Sonderabfällen, wenn diese Anlagen und Einrichtungen von gesamtschweizerischem Interesse sind» (zu den Begriffen bewilligte Kredite und Abgeltungen vgl. Vor Art. 61–66 GSchG N 23, 32; Komm. zu Art. 61 GSchG N 11 f.).

10. Die Sachüberschrift von Art. 61 GschG spricht von Abfallanlagen, weshalb vorliegend Art. 3 Abs. 4 TVA analog herangezogen werden kann, welcher Abfallanlagen als Anlagen definiert, in denen Abfälle behandelt werden. Zu den Begriffen Anlagen und Einrichtungen kann im Übrigen auf das in Komm. zu Art. 15 GSchG N 20 ff. Gesagte verwiesen werden. Das USG kann zur Bestimmung des Begriffs Entsorgung ebenfalls analog herangezogen werden. Nach Art. 7 Abs. 6bis USG gilt als Entsorgung die Verwertung oder Ablagerung sowie die Vorstufen Sammlung, Beförderung, Zwischenlagerung und Behandlung von Abfällen. Als Behandlung gilt dabei «jede physikalische, chemische oder biologische Veränderung der Abfälle» (vorliegend der Sonderabfälle). Gemäss Wortlaut der Bestimmung sind Beiträge an die Erstellung und Beschaffung der Anlagen zu leisten, nicht jedoch an die Betriebs‑ und Unterhaltskosten der Anlage (vgl. Kiener, Kommentar USG, Art. 52 N 21).

11. Zu den gesamtschweizerischen Interessen ist Folgendes anzumerken. Da gemäss Bundesrat die Erstellung von Anlagen zur Behandlung von Sonderabfallen aus Haushalten oder Gewerbe häufig auf grosse Schwierigkeiten stosse, nämlich besonders dann, wenn gesamtschweizerisch nur wenige Anlagen notwendig seien, ermögliche Art. 62 Abs. 1 GSchG dem Bund, mit Subventionen eine wirksame Starthilfe zu geben und gleichzeitig die notwendige Koordination auszuüben (Botschaft GSchG 1996, 1231). Die Trennlinie, wann eine Anlage nicht nur im lokalen oder regionalen, sondern im gesamtschweizerischen Interesse liegt, ist schwierig zu ziehen. Die Behörden haben im Einzelfall zu entscheiden, wobei ihnen diesbezüglich ein grosser Ermessensspielraum zufällt (vgl. Vor Art. 61–66 GSchG N 24 f.).

12. Die Normen zum Schutz der Gewässer äussern sich nicht zum Begriff der Sonderabfälle. Die Begriffsbestimmung wird erst durch eine systematische Betrachtungsweise der Umweltschutzgesetzgebung ermöglicht. Gemäss Art. 30f USG handelt es sich bei Sonderabfällen um Abfälle, deren umweltverträgliche Entsorgung besondere Massnahmen erfordert. Eine weitere Präzisierung findet sich in Art. 3 Abs. 2 TVA i.V.m. Art. 2 Abs. 2 Bst. 2 VeVA, wonach Sonderabfälle als Abfälle zu verstehen sind, «deren umweltverträgliche Entsorgung auf Grund ihrer Zusammensetzung, ihrer chemisch-physikalischen oder ihrer biologischen Eigenschaften auch im Inlandverkehr umfassende besondere technische und organisatorische Massnahmen erfordert». Abgrenzungskriterium gegenüber anderen Abfällen ist somit die unmittelbare Gefährlichkeit, welche sich aufgrund der chemischen bzw. physikalischen Eigenschaften oder der spezifischen Zusammensetzung der Abfälle ergibt (Brunner, Kommentar USG, Art. 30f N 27). Auskunft zur Frage, bei welchen Abfällen es sich konkret um Sonderabfälle handelt, gibt das im Anh. 1 der Verordnung des UVEK vom 18. Oktober 2005 über Listen zum Verkehr mit Abfällen festgehaltene Abfallverzeichnis. Keine Sonderabfälle im vorliegenden Sinn sind etwa radioaktive Abfälle oder in die Kanalisation einleitbares Abwasser (vgl. Brunner, Kommentar USG, Art. 30f N 28).

13. Art. 53 GSchV bestimmt schliesslich, dass Abgeltungen für beitragsberechtigte Abfallanlagen bei Projekten an die Planung, die erstmalige Erstellung und die Erweiterung einzeln geleistet werden. Allfällige weitere materielle Anforderungen an die gewässerschutzrechtlich subventionierten Abfallanlagen ergeben sich aus dem USG bzw. der TVA (BGer 2A.433/1995 vom 3. Oktober 1996, E. 3 in: URP 1997, 29; Seiler, Kommentar USG, Art. 3 N 51).

14. Im Gegensatz zu Art. 61 Abs. 1 GSchG werden bei Art. 62 Abs. 1 GSchG keine globalen Abgeltungen im Rahmen von Programmvereinbarungen entrichtet, sondern die Beiträge werden einzeln ausgerichtet. Das Verfahren richtet sich dabei nach Art. 61c–61f GSchV.

 

B.            Abgeltungen an Anlagen und Einrichtungen zur Behandlung oder Verwertung von Siedlungsabfällen (Abs. 2)

 

15. Der Bund leistete gestützt auf Art. 62 Abs. 2 GSchG den finanziell schwachen und mittelstarken Kantonen im Rahmen der bewilligten Kredite Abgeltungen an die Erstellung und Beschaffung von Anlagen und Einrichtungen zur Behandlung oder Verwertung von Siedlungsabfällen. Die hierfür massgeblichen Fristen (1. November 1997 bzw. 31. Oktober 1999) sind abgelaufen (Kiener, Kommentar USG, Art. 52 N 11).

 

C.           Anspruch auf Bundesbeiträge (Abs. 2bis)

 

15. Abs. 2bis geht auf eine parlamentarische Initiative (02.462) des Tessiner Ständerats Filippo Lombardi zurück. Anlass für die Initiative waren Probleme bei der Erstellung der KVA im Kanton Tessin. Der Kanton Tessin schloss mit einem deutschen Konsortium einen Vertrag zum Bau einer neuen Anlage ab und erteilte hierzu eine Baubewilligung innerhalb der von Art. 62 Abs. 2 GSchG festgelegten Frist. Das deutsche Konsortium war jedoch nicht in der Lage, den Vertrag zu erfüllen, weshalb der Kanton Tessin in der Folge vom Vertrag zurücktrat und eine neue Ausschreibung durchführen musste. Für das neue Projekt wurde eine neue Baubewilligung nötig, welche jedoch nicht mehr innerhalb der von Art. 62 Abs. 2 GSchG festgelegten Frist eingereicht werden konnte (Bericht UREK-S Kehrichtverbrennungsanlage, 8027 f.). Der auf den 1. Oktober 2006 in Kraft getretene Abs. 2bis ermöglichte es nun, den Bau der Kehrichtverbrennungsanlage im Kanton Tessin mit Bundesbeiträgen in der Höhe von rund CHF 50 Mio. zu unterstützen (Griffel, Entwicklungen 2006, 7). Die Anlage wurde 2010 in Giubiasco fertiggestellt und in Betrieb genommen (Alpiq, Kehrichtverbrennungsanlage). Da die Anlage im Kanton Tessin die einzige war, welche die in Art. 2bis verlangten Voraussetzungen erfüllte, hat die Bestimmung grundsätzlich keine Bedeutung mehr und könnte wohl gestrichen werden (Bericht UREK-S Kehrichtverbrennungsanlage, 8035).

 

D.           Abs. 3 und Abs. 4 Bst. b (aufgehoben)

 

17. Abs. 3 wurde mit der Änderung des GSchG vom 20. Juni 1997 eingefügt. Der Bund konnte den Kantonen im Rahmen der bewilligten Kredite Abgeltungen an die Kosten der kantonsübergreifenden Abfallplanung leisten, wenn die Gesuche vor dem 1. November 2002 eingereicht wurden. Da der Absatz heute keine Bedeutung mehr hat, wurde er im Rahmen einer formellen Bereinigung des Bundesrechts zusammen mit Abs. 4 Bst. b, welcher die Abgeltungshöhe des Bundes an die Planungskosten nach Abs. 3 regelte, aufgehoben (Botschaft Bereinigung 2007, 6157).

 

E.            Höhe der Abgeltungen (Abs. 4 Bst. a)

 

18. Abgegolten werden gemäss Abs. 4 Bst. a 25 % der anrechenbaren Kosten für Anlagen und Einrichtungen nach Abs. 1 und 2. Die Abgeltungen für Abfallanalgen werden gemäss Art. 53 GSchV «bei Projekten an die Planung, die erstmalige Erstellung und die Erweiterung einzeln geleistet». Art. 58 Abs. 1 GSchV bestimmt, dass nur Kosten anrechenbar sind, welche «tatsächlich entstanden sind und unmittelbar für die zweckmässige Erfüllung der beitragsberechtigten Aufgabe erforderlich sind». Auch dazu gehören Kosten für Pilotanlagen, nicht aber insbesondere Gebühren und Steuern (Art. 58 Abs. 1 und 2 GSchV). Weiter sind für die Höhe der anrechenbaren Kosten die Bestimmungen des SuG zu beachten.

 

 

Résumé

La Confédération alloue aux cantons selon l'art. 62 al. 1 LEaux des indemnités pour la mise en place d'installations et d'équipements servant à l'élimination de déchets spéciaux si ces installations et équipements sont d'intérêt national. La notion de déchets spéciaux se détermine selon la liste des déchets de l'annexe 1 de l'ordonnance du DETEC concernant les listes pour les mouvements de déchets du 18 octobre 2005. La notion d'intérêt national est quant à elle plus difficile à définir laissant à l'autorité une marge d'appréciation importante lors de la procédure d'octroi des subventions. En vertu de l'art. 62 al. 4 LEaux, 25 % des coûts imputables pour les installations et équipements sont indemnisés. L'art. 62 al. 2, 2bis, 3 et 4 let. b LEaux ont soit été abrogés (al. 3 et 4 let. b), soit perdu de leur importance vu que les délais sur lesquels ils se fondent sont arrivés à échéance (al. 2 et 2bis).

 

 

Literatur: ALPIQ, Modernste Kehrichtverbrennungsanlage der Schweiz nimmt offiziellen Betrieb auf, <http://www.alpiq-intec.ch/news-storys/storys/stories.jsp?story=tcm:122-75187>, 9.9.2010 (zit. Kehrichtverbrennungsanlage); Carrard Michel, Das Klärschlammproblem am Wendepunkt, in: Schweiz. Bundesamt für Umweltschutz, Bundesamt für Umweltschutz 1971–1981 – Artikelfolge zum zehnjährigen Bestehen, Bern 1981, 55 ff. (zit. Klärschlammproblem); Fahrni Hans-Peter, Abfallplanung und Entsorgungspflicht, in: URP 1999, 16 ff. (zit. Abfallplanung); Griffel Alain, Raumplanungs‑, Bau‑ und Umweltrecht – Entwicklungen 2006, Bern 2007 (zit. Entwicklungen 2006); Karlen Peter, Neues Umweltrecht und seine Auswirkungen auf das Bauen, in: BR/DC 1998, 39 ff. (zit. Neues Umweltrecht); Kettler Rolf, Eine kurze Geschichte des Abfalls, Bern 2000 (zit. Abfall); Vallender Klaus A./Hettich Peter/Lehne Jens, Wirtschaftsfreiheit und begrenzte Staatsverantwortung – Grundzüge des Wirtschaftsverfassungs‑ und Wirtschaftsverwaltungsrecht, 4. Aufl., Bern 2006 (zit. Wirtschaftsfreiheit).

 

 

Materialien und amtliche Publikationen: Bundesamt für Umweltschutz (Hrsg.), Leitbild für die schweizerische Abfallwirtschaft, in: Schriftenreihe Umweltschutz Nr. 51, Bern 1986 (zit. Leitbild Abfallwirtschaft); Botschaft über die Sanierungsmassnahmen 1993 für den Bundeshaushalt vom 4. Oktober 1993, BBl 1993 IV 293 ff. (zit. Botschaft Sanierungsmassnahmen 1993); Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) (Hrsg.), Interkantonale Koordination der Planung von Abfallbehandlungsanlagen, in: Schriftenreihe Umwelt Nr. 228, Bern 1994 (zit. Interkantonale Koordination); Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Ständerates (UREK-S), Parlamentarische Initiative «Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) des Kantons Tessin» – Bericht der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Ständerates vom 4. September 2003, BBl 2003 8025 ff. (zit. Bericht UREK-S Kehrichtverbrennungsanlage); Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) (Hrsg.) (verfasst durch Laube André/Vonplon Armin), Klärschlammentsorgung in der Schweiz – Mengen‑ und Kapazitätserhebung, Umwelt-Materialien Nr. 181, Bern 2004 (zit. Klärschlammentsorgung).