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Art. 82 GSchG - Art. 82 LEaux

Riva Enrico​

 

 

​Grundlagen für die Sanierung

1         Die Kantone erstellen ein Inventar der bestehenden Wasserentnahmen nach Artikel 29, das Angaben enthält über:

a.       die entnommene Wassermenge;

b.       die Restwassermenge;

c.       die Dotierwassermenge;

d.      die rechtlichen Verhältnisse.

2         Sie beurteilen die im Inventar aufgeführten Wasserentnahmen und entscheiden, ob und in welchem Ausmass eine Sanierung notwendig ist. Sie halten die Ergebnisse in einem Bericht fest. Dieser soll nach Möglichkeit die zeitliche Abfolge der zu treffenden Massnahmen aufzeigen.

3         Sie reichen die Inventare innert zweier Jahre und den Bericht innert fünf Jahren nach Inkrafttreten dieses Gesetzes dem Bund ein.

Critères d'assainissement

1         Les cantons dressent l'inventaire des prélèvements d'eau existants définis à l'art. 29; cet inventaire indique pour chaque prélèvement:

a.       la quantité d'eau prélevée;

b.       le débit résiduel;

c.       le débit de dotation;

d.       la situation juridique.

2         Les cantons apprécient les prélèvements d'eau recensés et décident, le cas échéant, de l'étendue des mesures d'assainissement nécessaires. Ils consignent les résultats de leur examen dans un rapport. Celui-ci indiquera si possible l'ordre dans lequel les opérations doivent se dérouler.

3         Les cantons présentent à la Confédération l'inventaire et le rapport dans un délai de respectivement deux et cinq ans, à compter de l'entrée en vigueur de la présente loi.

Criteri per il risanamento

1         I Cantoni compilano l'inventario dei prelievi d'acqua esistenti definiti nell'articolo 29; l'inventario indica per ogni prelievo:

a.       la quantità d'acqua prelevata;

b.       il deflusso residuale;

c.       la portata di dotazione;

d.       la situazione giuridica.

2         I Cantoni valutano i prelievi d'acqua elencati nell'inventario e decidono se e in qual misura un risanamento sia necessario. I risultati vengono menzionati in un rapporto. Quest'ultimo indica, se possibile, l'ordine nel quale le misure di risanamento devono essere intraprese.

3         I Cantoni inoltrano l'inventario alla Confederazione entro 2 anni dall'entrata in vigore della presente legge e il rapporto entro 5.

 

 

 

Inhaltsübersicht

Entstehungsgeschichte1
II. Allgemeine Bemerkungen2
III. Inventar der bestehenden Wasserentnahmen (Abs. 1)7
IV.  Beurteilung und Sanierungsbericht (Abs. 2)13
V. Würdigung21

 

 

I.              Entstehungsgeschichte

 

 

1. Die Verpflichtung der Kantone, ein Inventar der bestehenden Wasser­entnahmen und einen Sanierungsplan zu erstellen, war als Art. 85 GSchG im Gesetzesentwurf der Expertenkommission Aubert enthalten (EDI, E-GSchG 1984, Art. 85; EDI, Bericht Revision GSchG 1984, 75). Der Bundesrat übernahm den Vorschlag mit wenigen Änderungen – einem etwas anders konzipierten Sanierungsbericht anstelle des Sanierungsplans – in seine Vorlage an die eidgenössischen Räte (Art. 81 in der Botschaft GSchG 1987, 1206). Die von den Räten verabschiedete Fassung von Art. 82 GSchG entspricht nahezu wörtlich dem bundesrätlichen Entwurf.

 

 

II.           Allgemeine Bemerkungen

 

 

2. Die Pflicht zur Sanierung der Restwasserverhältnisse wird für die Inhaberin der Wasserentnahmeanlage bzw. für die Empfängerin der Bewilligung verbindlich, wenn die zuständige Behörde die entsprechende Verfügung erlassen hat (vgl. Komm. zu Art. 80 GSchG N 73). Art. 82 GSchG setzt zwei Instrumente ein, welche der Verfügung vorangehen und den guten Vollzug der Restwassersanierungen sicherstellen sollen. Mit dem Inventar der bestehenden Wasserentnahmen (Abs. 1) wird der Bestand der potentiellen Sanierungsobjekte erhoben. Im Sanierungsbericht (Abs. 2) beurteilen die zuständigen Behörden die Situation der im Inventar erfassten Wasserentnahmen «und entscheiden, ob und in welchem Ausmass eine Sanierung notwendig ist». Die Feststellungen und Aussagen der beiden Berichte präjudizieren den Vollzug der Restwassersanierung stark.

3. Inventar und Sanierungsbericht sind verwaltungsinterne Dokumente; ihre Erstellung fällt unter die Handlungsform des Realakts (Riva, Wohl­erworbene Rechte, 211; zum Realakt Tschannen/Zimmerli/Müller, Verwaltungsrecht, 374 ff.). Sie haben keine unmittelbare Rechtswirkung für die Sanierungsverpflichteten, auch wenn diese bei der Erarbeitung mitzuwirken haben (Art. 39 GSchV) und vom behördlichen Vorentscheid, den der Sanierungsbericht beinhaltet, mittelbar betroffen sind. Der Rechtsschutz wird – für die Sanierungsverpflichteten und für Dritte wie die Schutzorganisationen – erst im Verfahren auf Erlass und Anfechtung der Sanierungsverfügung gewährleistet (s. Komm. zu Art. 80 GSchG N. 73–76).

4. Es obliegt allein den Kantonen, das Inventar und den Sanierungsbericht zu erstellen. Art. 82 Abs. 3 GSchG verpflichtet sie, die beiden Dokumentationen dem Bund einzureichen. Von einer Genehmigung durch den Bund hat der Gesetzgeber abgesehen. Der Bund kann nur über das Ausführungsrecht und die Mittel, die ihm im Rahmen der Aufsicht (Art. 49 Abs. 2 BV; Art. 46 Abs. 1 GSchG) zustehen, Einfluss auf den korrekten Vollzug der Sanierungen nehmen.

5. Während zu Art. 80, 81 und 83 GSchG Ausführungsbestimmungen entbehrlich waren, hat der Bundesrat in der Gewässerschutzverordnung ergänzende Bestimmungen zu Art. 82 GSchG erlassen. Anlässlich der 1993 erfolgten Anpassung der Allgemeinen Gewässerschutzverordnung vom 19. Juni 1972 an das GSchG von 1991 nahm er die Art. 33–33e neu in die Verordnung auf (AS 1993 3022). Diese Bestimmungen wurden nahezu unverändert als Art. 36–41 in die Gewässerschutzverordnung vom 28. Oktober 1998 überführt.

6. Die Kantone haben die Pflicht, die Inventare und Sanierungsberichte öffent­lich zugänglich zu machen (Art. 40 Abs. 3 GSchV).

 

 

III.        Inventar der bestehenden Wasserentnahmen (Abs. 1)

 

 

7. Der Gesetzgeber hat die Kantone in Abs. 1 verpflichtet, ein Verzeichnis der Wasserentnahmen zu erstellen, welche die Merkmale von Art. 29 GSchG er­füllen. Zu erfassen sind also Entnahmen aus Fliessgewässern mit ständiger Wasserführung sowie aus Seen und Grundwasservorkommen, welche die Wasserführung eines Fliessgewässers mit ständiger Wasserführung wesentlich beeinflussen (vgl. Komm. zu Art. 29 GSchG N 26 ff., 38 ff., 47 ff.). Eine Entnahme ist in das Verzeichnis aufzunehmen, sofern sie in quantitativer Hinsicht über den Gemeingebrauch hinausgeht (s. Komm. zu Art. 29 GSchG N 32–37). In das Inventar gehören auch die bereits konzedierten, aber noch nicht realisierten Wasserentnahmen im Sinn von Art. 83 GSchG, soweit bei ihnen die Merkmale von Art. 29 GSchG gegeben wären (Art. 41 GSchV). Im Interesse der Vollständigkeit hält die GSchV die Kantone in Art. 37 GSchV an, auch die Entnahmen aus Fliessgewässern ohne ständige Wasserführung in einer Liste aufzuführen, sofern die Entnahmen der Wasserkraftnutzung dienen.

8. Alle so definierten Wasserentnahmen sind im Inventar aufzuführen. Es wäre gesetzwidrig, eine Selektion nach bestimmten Gesichtspunkten vorzunehmen und gestützt darauf für einen Teil der Wasserentnahmen von der Inventaraufnahme abzusehen. Erst im Sanierungsbericht (Abs. 2) ist zu entscheiden, welche der im Inventar erfassten Entnahmen der Sanierungspflicht unterstehen und welche nicht.

9. Abs. 1 bezeichnet die Daten, über welche das Inventar Auskunft zu geben hat (entnommene Wassermenge, Restwasser‑ und Dotierwassermenge; rechtliche Verhältnisse). Die GSchV präzisiert in Art. 36 die Rubriken, unter denen diese Daten aufzuführen sind (mit gewissen Erleichterungen für Wasserentnahmen, die nicht der Wasserkraftnutzung dienen; Art. 36 Abs. 2 und 3 GSchV). Entsprechend dem Zweck des Inventars, im Hinblick auf die Sanierungen den Bestand der vorhandenen Wasserentnahmen zu erheben, geht es bei den aufzunehmenden Informationen immer um objektive Daten und nicht um Wertungen tatsächlicher oder rechtlicher Art.

10. Gemäss der Vorgabe von Art. 82 Abs. 3 GSchG hatten die Kantone die Inventare innert zwei Jahren nach Inkrafttreten des GSchG, also bis Ende Oktober 1994, dem Bund einzureichen. Vier Kantone (GL, SH, SO und UR) reichten ihre Inventare fristgerecht, weitere 10 Kantone bis Ende 1995 ein. Ende 1999 lagen bis auf vier alle Inventare vor (BAFU, Stand Restwassersanierung 2012, Anh. 2).

11. Aufgrund der eingereichten Inventare und eigener Erhebungen erstellte das BAFU die «Restwasserkarte Schweiz» und veröffentlichte sie 2007. Die Karte im Massstab 1:200'000 verzeichnet die Standorte der Wasserentnahme­anlagen, der Zuleitungen und der Punkte, an denen das Wasser dem Fliess­gewässer zurückgegeben wird, mit Differenzierung nach Wasserkraft‑ und anderer Nutzung. Ausserhalb der Karte (auf CD bzw. im Internet) werden für jede Wasserentnahme wichtige Zusatzdaten geliefert. Die Karte enthält die bestehenden Entnahmen mit Stand Ende 2004; sie führt also auch Anlagen an, die nach Inkrafttreten des GSchG konzessioniert wurden und daher bereits den Restwasseranforderungen für Neuanlagen (Art. 31 ff. GSchG) genügen sollten.

12. Wie vollständig die von den Kantonen gelieferten Angaben den Bestand der Wasserentnahmen abbilden, ist offen. Der Grad der Datenerhebung war in den Kantonen verschieden; daraus resultiert eine Inhomogenität in der Datenqualität (BAFU, Restwasserkarte Schweiz, Konzept und Inhalt der Restwasserkarte Schweiz, 2). Eine systematische Nachführung der Inventare, wie Art. 40 Abs. 2 GSchV sie vorschreibt, hat bisher nicht stattgefunden.

 

 

IV.        Beurteilung und Sanierungsbericht (Abs. 2)

 

 

13. Mit dem Inventar der bestehenden Wasserentnahmen stehen die Objekte fest, die der Sanierungspflicht gemäss Art. 80 GSchG unterliegen können. Die Vollzugsbehörde muss nun in einem weiteren Schritt für jede inventarisierte Entnahme ermitteln, ob eine Pflicht zur Sanierung besteht oder nicht. Ist die Pflicht gegeben, hat die Behörde die Sanierung zu konkretisieren. Die Ergeb­nisse dieser wertenden Prüfung finden ihren Niederschlag im Sanierungs­bericht.

14. Den Sanierungsberichten geht damit eine aufwändige Beurteilungsphase voraus. Der Entscheid über die zentrale Vorfrage, ob eine Sanierung geboten ist, hängt im Wesentlichen davon ab, ob die zu prüfende Wasserentnahme das Fliessgewässer wesentlich beeinflusst (vgl. Komm. zu Art. 80 GSchG N 14 ff.). Bei gegebener Sanierungspflicht müssen anschliessend die Sanierungsmassnahmen festgelegt werden. Bestimmend ist dafür Art. 80 GSchG (s. Komm. zu Art. 80 GSchG N 24 ff.). Die Vollzugsbehörde hat zu beurteilen, ob die untersuchte Entnahme dem Tatbestand der normalen (Abs. 1) oder der weitergehenden Sanierung (Abs. 2, mit dem Sonderfall des Kleinwasserkraftwerks gemäss Abs. 3) zuzuordnen ist. Im Normalfall wird sie die Entschädigungsschwelle bestimmen müssen (s. Komm. zu Art. 80 GSchG N 32–34). Aufgrund dieser Beurteilungen sind die zu ergreifenden Sanierungsmassnahmen und ein Zeitplan für deren Umsetzung (vgl. Komm. zu Art. 81 GSchG N 4–6) konkret festzulegen.

15. In zwei Vollzugshilfen hat das zuständige Bundesamt für diese Beurteilungs­arbeit mögliche Vorgehensweisen und Beispiele geliefert (BUWAL, Sanie­rungsbericht Wasserentnahmen; BUWAL, Vorgehen nach Art. 80 Abs. 2; in ihren Ausführungen zur Interessenabwägung ist die erste Schrift aufgrund von BGE 139 II 28 («Misoxer Kraftwerke») überholt; s. Komm. zu Art. 80 GSchG N 35). Im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben sind die Kantone aber frei zu entscheiden, wie sie die Beurteilung vornehmen (vgl. zu den unterschiedlichen Herangehensweisen Eawag/SGS, Wasserkraftnutzung, 13 ff.).

16. Die Nutzungsberechtigten sind verpflichtet, der Behörde die nötigen Auskünfte zu liefern (Art. 39 GSchV). Es dürfte überhaupt sinnvoll sein, dass die Behörde bereits für die Erarbeitung des Sanierungsberichts die Adressaten der späteren Sanierungsverfügung – also die Inhaber bzw. Berechtigten der Wasserentnahmeanlage und die beschwerdebefugten Dritten – zur Meinungsäusserung einlädt. Angesichts der vorentscheidenden Natur des Sanierungsberichts kann dies zu einem besseren Vollzug der Sanierung beitragen. Es handelt sich dabei um ein informelles Vorgehen. Auf eine förmliche Beteiligung am Verfahren haben die Betroffenen erst im Zusammenhang mit dem Erlass der Sanierungsverfügung Anspruch, welche für sie unmittelbare Rechtswirkungen erzeugen wird (vgl. Komm. zu Art. 80 GSchG N 73 f.).

17. Der Sanierungsbericht vereinigt die Ergebnisse der vorangegangenen Be­urteilung. Art. 38 GSchV macht in den Abs. 2 und 3 ausdrückliche Vorgaben für die im Bericht wiederzugebenden Informationen.

18. Das Vorliegen des Sanierungsberichts ist jedoch nicht Voraussetzung, um Sanierungsmassnahmen gemäss Art. 80 GSchG anzuordnen. Eine Sanierung kann auch verfügt werden, wenn Inventar oder Bericht noch fehlen. Erforderlich ist, dass die Behörde die erforderlichen Beurteilungsgrundlagen erhoben hat (Riva, Wohlerworbene Rechte, 212, m.H. auf VGer BE, Urteil vom 11. August 1997, E. 7, in: BVR 1998, 118 f.).

19. Für die Expertenkommission Aubert sollte die Sanierung der Restwasser­strecken aufgrund einer Gesamtplanung erfolgen, deren Ergebnisse in einem «Sanierungsplan» für alle sanierungsbedürftigen Wasserentnahmen nieder­gelegt worden wären (EDI, E-GSchG 1984, Art. 85; EDI, Bericht Revision GSchG 1984, 75). Die Praxis hat teilweise einen andern Weg beschritten: Neben Berichten, die das Sanierungskonzept für alle Wasserentnahmen gesamthaft darstellen, haben die Kantone auch Berichte für einzelne Wasserentnahmen bzw. für Wasserentnahmen eines Gewässers oder eines Einzugsgebiets erarbeitet (Eawag/SGS, Wasserkraftnutzung, 14; BAFU, Stand Restwassersanierung 2012, Tab. Anh. 2).

20. Gemäss Art. 82 Abs. 3 GSchG mussten die Kantone ihre Sanierungsberichte dem Bund innert fünf Jahren nach Inkrafttreten des Gesetzes, also bis Ende Oktober 1997 einreichen. Bis Ende 1997 hatten sechs Kantone ihre Berichte vorgelegt (AG, AR, FR, GR, SO; ZG für einen Teil der Wasserentnahmen); die meisten Kantone waren dazu erst nach 2000 in der Lage (BAFU, Stand Restwassersanierung 2012, Tab. Anh. 2). Für den Kt. NE stand der Sanierungsbericht Ende 2015 noch aus (BAFU, Stand Restwassersanierung 2014, 8).

 

 

V.           Würdigung

 

 

21. Die Expertenkommission Aubert muss bei der Erarbeitung des Konzepts für die Restwassersanierung erkannt haben, dass der Vollzug dieser Aufgabe sich nur mit Hilfe einer strukturierten Entscheidbildung würde bewältigen lassen. Sie sah daher einen methodischen Dreischritt vor mit (1) einer Bestandesaufnahme der potentiellen Sanierungsobjekte (Inventar der bestehenden Wasserentnahmen), mit (2) einer Triage der Sanierungsfälle und Festlegung des Inhalts und des Zeitpunkts der Sanierungen (Sanierungsbericht), und zum Schluss mit (3) der individuell-konkreten, für die Betroffenen verbindlichen Anordnung der Sanierung in Form einer Verfügung. Die Kommission verband diesen Dreischritt mit bindenden Vollzugsfristen.

22. Der Gesetzgeber übernahm die ihm vorgeschlagene Lösung vollständig. Es fragt sich, warum trotzdem ein Vollzugsdefizit bei den Restwasser­sanierungen eingetreten ist. Mehrere Gründe sind bereits unter den Vor­bemerkungen zu Art. 80–83 GSchG angeführt worden (vgl. Vor Art. 80–83 GSchG N 16 ff.). Etliche Schwächen liegen aber auch in der Ausgestaltung des Instrumentariums selber.

23. Eine erste ist der lex-imperfecta-Charakter der Fristen von Art. 81 GSchG; deren Nichteinhaltung blieb und bleibt bis heute sanktionslos.

24. Eine zweite Schwäche ist im Umstand zu sehen, dass das GSchG keine Sicherungen gegen ungenügende oder gar falsche Erhebungen im Inventar und im Sanierungsbericht enthält. Verhängnisvoll ist insbesondere, dass den Kantonen bei der Ausscheidung zwischen sanierungsbedürftigen und nicht sanierungsbedürftigen Wasserentnahmen und bei der Festlegung der Sanierungsqualität freie Hand gelassen wurde. Wenn ein Kanton von den in seinem Inventar aufgeführten Wasserentnahmen nahezu die Hälfte oder mehr als nicht sanierungsbedürftig einstuft (vgl. die BAFU, Stand Restwassersanierung 2014, 10, Tab. Anh. 2,), entbehrt dieser Entscheid angesichts der Realität mit trocken liegenden oder von nur dünnen Rinnsalen durchflossenen Fluss‑ und Bachstrecken unterhalb vieler Entnahmestellen der Plausibilität. Von den dem Bund als vollzogen gemeldeten Restwassersanierungen liegt die Qualität im Dunkeln.

25. Die dritte Schwäche hängt mit dem Realakt-Charakter der Inventare und der Sanierungsberichte zusammen. Wegen ihrer fehlenden rechtlichen Aussen­wirkung kann sich niemand gegen die getroffenen Befunde wehren, insbesondere nicht die Schutzorganisationen. Die im Sanierungsbericht getroffenen Vorentscheide wirken präjudizierend, namentlich jene mit negativem Inhalt (Ausschluss der Sanierungspflicht oder Festlegung der Sanierung in einem Umfang, der hinter den Anforderungen von Art. 80 GSchG zurückbleibt). Eine Korrektur in der Verfügungsphase ist für den Fall des Ausschlusses der Sanierungspflicht nahezu ausgeschlossen.

26. Bei dieser Situation hätte sich aufgedrängt, dem Bund ein Genehmigungs­recht für die Sanierungsberichte vorzubehalten. Vielleicht hätte der Bund aber auch schon mit einer aktiven Wahrnehmung seiner Aufsichtspflicht nach Art. 46 Abs. 1 GSchG eine bessere Einhaltung der Fristen und eine kor­rektere Beurteilung der Sanierungsfälle herbeiführen können.

 

 

Résumé

L'obligation d'assainissement des débits résiduels est contraignant pour le détenteur d'une installation de prélèvement d'eau, respectivement le destinataire de l'autorisation lorsque les autorités ont adopté une décision. L'art. 82 LEaux met en place deux instruments, qui précèdent la décision et assurent la mise en oeuvre des assainissements des débits résiduels. Le législateur a obligé les cantons à mettre en place un inventaire des prélèvements d'eau existants (al. 1) afin de recenser les objets potentiels à assainir. Les prélèvements des cours d'eau à débit permanent ainsi que ceux des lacs ou des nappes souterraines, lorsque le prélèvement influence sensiblement le débit d'un cours d'eau à débit permanent, doivent être inscrits dans l'inventaire. Les prélèvements qui font déjà l'objet d'une concession mais qui n'ont pas encore été réalisés doivent également être inclus dans l'inventaire.

L'inventaire des prélèvements d'eau existants permet de fixer les objets qui peuvent être soumis à l'obligation d'assainissement selon l'art. 80 LEaux. Dans le rapport d'assainissement (al. 2), les autorités compétentes évaluent la situation des prélèvements d'eau recensés et décident, le cas échéant de l'étendue des mesures d'assainissement. Les résultats de cet examen sont consignés dans un rapport.

Dans le cadre de l'assainissement des débits résiduels, il existe un déficit de mise en oeuvre. Une première faiblesse de l'art. 82 LEaux est le caractère de lex imperfecta des délais prévus à l'art. 81 LEaux, le non respect de ceux-ci n'étant pas sanctionné. Une deuxième faiblesse est que la LEaux n'offre aucune protection contre les relevés insuffisants, respectivement erronés de l'inventaire et du rapport d'assainissement. Une troisième faiblesse vient du fait que les inventaires et les rapports d'assainissement n'ayant aucun effet juridique, il n'est dès lors pas possible de s'opposer aux résultats.

 

 

Materialien und amtliche Publikationen: Eidgenössisches Departement des Innern (EDI), Entwurf zur Revision des Bundesgesetzes über den Schutz der Gewässer (Entwurf der Kommission Aubert), Bern 1984 (zit. E-GSchG 1984); Eidgenössisches Departement des Innern (EDI), Erläuternder Bericht zur Revision des Bundesgesetzes über den Schutz der Gewässer, Bern 1984 (zit. Bericht Revision GSchG 1984); Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) (Hrsg.), Sanierungsbericht Wasserentnahmen – Sanierung nach Art. 80 Abs. 1 Gewässerschutzgesetz, Vollzug Umwelt, in: Mitteilungen zum Gewässerschutz Nr. 25, Bern 1997 (zit. Sanierungsbericht Wasserentnahmen); Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) (Hrsg.) (verfasst durch Broder B./Sansoni M./Kasper H. et al.), Wasserentnahmen – Vorgehen bei der Sanierung nach Art. 80 Abs. 2 GSchG, in: Mitteilungen zum Gewässerschutz Nr. 39, Bern 2000 (zit. Vorgehen nach Art. 80 Abs. 2 GSchG); Eidg. Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (Eawag)/Schweizerische Greina-Stiftung (SGS) (Hrsg.) (verfasst durch Uhlmann Viviane/Wehrli Bernhard), Wasserkraftnutzung und Restwasser – Standortbestimmung zum Vollzug der Restwasservorschriften, Kastanienbaum 2006 (zit. Wasserkraftnutzung); Bundesamt für Umwelt (BAFU) (Hrsg.) (verfasst durch Kummer Manfred/Baumgartner Marc/Devanthéry Daniel), Restwasserkarte Schweiz - Wasserentnahmen und ‑rückgaben, Umweltzustand Nr. 0715, Bern 2007 (zit. Restwasserkarte Schweiz); Bundesamt für Umwelt (BAFU) (Hrsg.), Restwassersanierung nach Art. 80 ff. GSchG: Stand Ende 2012 und Entwicklung seit Mitte 2011, Bern 2013 (zit. Stand Restwassersanierung 2012); Bundesamt für Umwelt (BAFU), Restwassersanierung nach Art. 80 ff. GSchG: Stand Ende 2014 und Entwicklung seit Ende 2012, Bern 2015 (zit. Stand Restwassersanierung 2014).